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Aus: "anti atom aktuell" Nr. 191, Juli 2008

Für eine Krebsstudie am THTR!

Etwa 120 Teilnehmer demonstrierten am 26. April auf der Kundgebung vor dem stillgelegten THTR in Hamm-Uentrop für den sofortigen Atomausstieg und forderten eine Krebsstudie für die Umgebung des THTRs. Ein Trecker mit Anhänger weckte lebhafte Erinnerungen an die vielbeachteten Zufahrtsblockaden zur Zeit der Störfälle im THTR vor 22 Jahren.Tschernobyljahrestag 2008 am THTR

Die seit 33 Jahren aktive Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm zeigte mit dieser gutbesuchten Kundgebung, dass sie immer noch für Überraschungen gut ist. Der lange Atem der BI ist immer noch notwendig: Bundesumweltminister Gabriel lehnt die Durchführung einer Krebsstudie am THTR ab, obwohl sich viele Bürger in der Region grosse Sorgen wegen einer Häufung von Krebsfällen macht.

Inzwischen bekommt die BI zwar Unterstützung der kommunalen Gremien von Lippetal, Welver und Hamm, aber auf Landes- und Bundesebene tut sich wenig. Mit der Sammlung von Unterschriften für eine Krebsstudie versucht die BI den Druck auf die zuständigen Politiker zu verstärken. Sie wird hierbei von den Bürgerinitiativen aus der Region unterstützt.Tschernobyljahrestag 2008 am THTR

Auf der Kundgebung sprach ebenfalls der Vorsitzende der Ahauser Bürgerinitiative, Heiner Möllers und berichtete über die Situation aus Hamms "nuklearer Partnerstadt", in der die Brennelementekugeln des THTRs seit 13 Jahren provisorisch in einer Halle lagern.

Matthias Eickhoff von dem Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen betonte, dass auch 22 Jahre nach Tschernobyl die Atomindustrie und ihre willfährigen Parteien nichts aus der Reaktorkatastrophe gelernt haben. Sie predigen noch immer Atomkraft als Wundermittel für die Zukunft. Dabei werden sie nicht mal mit den Ruinen der einstigen Wunderkinder fertig. Es wird weiter massiv verdrängt, vertuscht und verheimlicht, um das positive Wunschbild der Atomenergie nicht zu stören.anti atom aktuell Nr. 191

Horst Blume von der BI Hamm stellte dar, dass der diskutierte THTR-Abriss eine Gefahr für die Bevölkerung bedeutet, da hierbei nicht nur Radioaktivität aus dem Reaktor entweichen könnte, sondern auch Unmengen von Atommüll entstehen würden. Die 1,6 Kilogramm Kernbrennstoff Plutonium und Uran befinden sich nicht nur im Reaktorkern, sondern auch an nicht bekannten Stellen im Rohrsystem für die Brennelementekugeln. Dies macht einen Abriss schwieriger und gefährlicher.

An vielen Orten beteiligten sich Menschen an Tschernobyl-Aktionen. In Hamburg fanden die Bike-Classics vom AKW Krümmel in die Innenstadt statt. Rund 100 Leute waren dort unterwegs, um Vattenfall den Abgang aus Hamburg nahezulegen. In einer Live-Schaltung von der Hammer Kundgebung konnten solidarische Grüße nach Hamburg übermittelt werden.

 

Weitere Infos im THTR-Rundbrief Nr. 122: http://www.reaktorpleite.de/nr.-122-august-08.html

 

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Aus: "FUgE-News", 2016, Nr. 1 (Juli)

40 Jahre Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm

Die Voraussetzungen bei der Gründung der Bürgerinitiative Anfang 1976 waren denkbar schlecht. Der THTR war schon seit fünf Jahren im Bau. Bis zum Erörterungstermin für den zusätzlich geplanten Druckwasserreaktor in Hamm waren es nur noch wenige Tage. Die Genehmigungsbehörde gab den größtenteils jüngeren BI-Mitgliedern bei diesem Verfahren mehr als deutlich zu verstehen, dass hierbei zwar eine formale Beteiligung zugestanden wurde, aber keine faktische.Fahrradtour am 4. 6. 2016 anlässlich des 40jährigen Bestehens der BI. Hier: Vor dem Haupttor am THTR

Es war erschreckend, wie wenig Einfluss wir als einfache Bürger auf den Gang der Ereignisse bei einer so gefährlichen Technologie wie der Atomkraft nehmen konnten. Bürgerinitiativen waren damals ein völlig neues Phänomen in der BRD und stießen auf heftige Ablehnung bei der Exekutive und bei fast allen maßgeblichen Mandatsträgern der Parteien, die oftmals über lukrative Aufsichtsratsposten Zuwendungen von den Vereinigten Elektrizitätswerken (VEW) erhielten. In den Medien fand fast ausschließlich Hofberichterstattung für die Energiekonzerne statt. Kritisches Informationsmaterial zum Thema Atomkraft gab es 1976 bis auf ein einziges Buch und ein paar vereinzelte Flugblätter nicht.

Was also tun? Sollten wir vier Jahre lang warten bis zur nächsten Bundestagswahl, um dann doch nur eine der drei atomfreundlichen Parteien ins Parlament wählen zu können? Oder aber wäre nicht eher die gewaltfreie Graswurzelbewegung eines Mahatma Gandhi oder Martin Luther King eine bessere Handlungsalternative? Gleich nach der Gründung unserer Initiative wurden wir Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und lernten mit der Überparteilichkeit und Gewaltfreiheit nicht nur die Grundsätze dieser neuen Bewegung schätzen, sondern erhielten viele Anregungen für unsere Arbeit.Fahrradtour anlässlich des 40jährigen Bestehens der BI am 4. 6. 2016

Aktionen und Erfahrungen

Schon während der ersten Monate nach der Gründung führten wir zusammen mit der Landjugend öffentliche Diskussionsveranstaltungen sowie ein Zeltlager und Kundgebungen mit einigen hundert Menschen in direkter Nähe zum THTR durch. Die eintägige Platzbesetzung vor dem im Bau befindlichen "Informationszentrum" der VEW planten und führten wir sehr erfolgreich nach gewaltfreien Methoden durch. Spezielle Flugblätter für Demonstranten, Polizei und Medien wurden verteilt, der Zaun gekappt und ein eigenes Informationszelt auf dem Platz aufgestellt. Die anwesenden Polizisten verspeisten verständnisvoll unsere Würstchen vom Grill. Die Lage war entspannt, das Medienecho enorm.

Der Bau des Druckwasserreaktors wurde aus finanziellen Gründen aufgegeben, die Inbetriebnahme des THTR rückte jedoch immer Näher. Während einer mehrjährigen Kampagne sammelten wir einhunderttausend DM, um gegen insgesamt 17 Teilerrichtungsgenehmigungen zu klagen. Wir erstritten einen gerichtlich angeordneten sechswöchigen Baustop und die Probleme beim THTR wurden verstärkt wahrgenommen. Es war also wichtig, auch diesen Weg zu gehen.

Fahrradtour anlässlich des 40jährigen Bestehens der BI am 4. 6. 2016Die gewaltfreien Proteste stellten nur einen Bruchteil der Aktivitäten der BI-Mitglieder dar. Jeder konnte sich auf seine Weise einbringen und Leserbriefe schreiben, Plakate malen, Unterschriften sammeln, Resolutionen verfassen oder Bildungsarbeit in Parteien und Verbänden organisieren. In den 80er Jahren mieteten wir einen eigenen "Umweltladen" in einem Ladenlokal an der Brüderstraße als Treffpunkt an.

1985 fand der Erörterungstermin für den Katastrophenschutzplan des THTR's unter Beteiligung von 500 besorgten Bürgern in der Halle des Maxiparks statt. Während die haarsträubenden Vorschläge dieses Plans von den Behörden dargestellt wurden, klapperte als Begleitmusik unsererseits ein mitgebrachtes Skelett und ich betätigte dazu die Handsirene ...

Der Störfall im THTR

Als wenige Tage nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 auch der Störfall am THTR bekannt wurde und in Hamm deutlich erhöhte radioaktive Werte gemessen wurden, fanden in den drei folgenden Jahren viele Kundgebungen und Blockaden von Bürgern und Landwirten mit Treckern vor dem THTR statt. Die Menschenmenge vor dem Reaktor schwoll zeitweilig auf 7.000 Personen an und machte in teilweise drastischen Aktionen ihrem Ärger und ihrer Verzweiflung Luft, blieb aber immer gewaltfrei. Ein vielbeachteter dreitägiger Treckertreck durch das Ruhrgebiet nach Düsseldorf setzte die SPD-Landesregierung zusätzlich unter Druck.

4. 6. 2016: Der original Blockade-Trecker von 1986 war mit dabei!In den zehn Jahren zuvor hatte die Bürgerinitiative Strukturen aufgebaut und intensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben, was sich nun in einer breiten Beteiligug vieler Menschen auszahlte. Blockadeaktionen und Reaktorstillstände wegen weiterer Störfälle wechselten sich die nächsten Jahre ab. Finanzielle Probleme des Betreibers kamen hinzu. Auch in den sonst so THTR-freundlichen Parteien kippte die Stimmung. Nun ging es nur noch um die Frage, wie der THTR ohne allzugroßem Gesichtsverlust der Atomparteien und horrende Regressansprüche des Betreibers stillgelegt werden könnte.

Nachdem der THTR 1989 stillgelegt worden ist, war nach diesem tollen Erfolg bei vielen Aktivisten erst einmal die Luft raus. Aber schon 1992 musste der sogenannte Tritiumwasserstörfall im "Keller" des THTR kritisch hinterfragt werden. In den 90er Jahren fanden 59 Castortransporte mit den radioaktiven Brennelementekugeln aus dem THTR nach Ahaus statt. Auch hier arbeitete die BI mit den Initiativen im Münsterland zusammen und beteiligte sich an Demonstrationen in Ahaus und Münster.

THTR-Export geht weiter

Trotz der vielen Störfälle und Pleiten, die der THTR verursacht hatte, trieb das Forschungszentrum Jülich die Weiterentwicklung dieser Reaktorlinie auf EU-Ebene weiter voran und exportierte sogar unter rotgrünen Regierungen das Know how nach Südafrika und China. Ab 2003 setzten wir mit der Homepage Reaktorpleite.de der Exportoffensive der Atomkraftfreunde unsere Erfahrungen in Hamm und unsere Argumente entgegen und intensivierten unsere Kontakte nach Südafrika. Nachdem dort über eine Milliarde Dollar in die Entwicklung des THTR investiert worden sind, mussten die Vorbereitungen ergebnislos abgebrochen werden. Der THTR in China soll angeblich Ende 2017 in Betrieb gehen.

4. 6. 2016: Auftakt am Hammer HauptbahnhofDer sogenannte Stilllegungsbetrieb des THTR in Hamm ist bis zum Jahr 2027 vorgesehen. Wie es danach weitergeht und ob er in absehbarer Zeit tatsächlich zurückgebaut wird, ist unklar. Über all diese Themen berichtet unser "THTR-Rundbrief" in bisher 146 Ausgaben auf 2.500 Seiten seit 29 Jahren. Es sieht nicht so aus, dass der BI in absehbarer Zeit die Themen ausgehen werden.

Alte Flugblätter der BIAnmerkungen

Hier sind noch vier weitere Artikel zur Geschichte der BI:

Sehr ausführlich und mit vielen Bildern: "Rückblick: 15 Jahre Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm" (1991)

http://www.machtvonunten.de/lokales-aus-hamm.html?view=article&id=307:rueckblick-15-jahre-buergerinitative-umweltschutz-hamm&catid=21:lokales-aus-hamm

"Zeltlager gegen KKW.Der Beginn des Widerstandes gegen den THTR Hamm" (1976)

http://www.machtvonunten.de/lokales-aus-hamm.html?view=article&id=317:zeltlager-gegen-kkw&catid=21:lokales-aus-hamm

"Bürgeriniative Umweltschutz: 25 Jahre APO in Hamm" (2001)

http://www.machtvonunten.de/lokales-aus-hamm.html?view=article&id=299:buergeriniative-umweltschutz-25-jahre-apo-in-hamm&catid=21:lokales-aus-hamm

... und natürlich auf der Homepage der BI Hamm: "Die Geschichte des Widerstandes gegen den THTR":

http://www.reaktorpleite.de/geschichte-der-bi-in-hamm.html

Auch die "Reaktorpleite" muss mit!

 

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Aus: "FugE-News", Nr. 2, 2003

Widerstand am Kap - Schweigen in Deutschland?

Hamm soll kritische THTR-Infos Südafrika zugänglich machen

THTR-Rundbrief Nr. 98Nachdem mit Duldung und Unterstützung von Rotgrün im Bund und in NRW das Forschungszentrum Jülich (FZJ) seit den 90er Jahren an der Weiterentwicklung des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR) gearbeitet hat, soll diese Atomkraftvariante in Südafrika eine neue Blüte erleben.

Mit dem Bau des Pebble Bed Modular Reactors (PBMR) - so wird der THTR jetzt genannt - soll nach dem Willen der Atomindustrie und der südafrikanischen Regierung im 1. Quartal 2005 begonnen werden, und zwar 28 km nördlich von Kapstadt in Koeberg. Hier, am Atlantik, stehen zwei Druckwasserreaktoren mit je 922 MW Leistung. 1982 hatte der ANC kurz vor der Beladung mit radioaktiven Brennstäben durch Sabotageakte die Inbetriebnahme verzögert. Er wollte verhindern, dass das weiße Rassistenregime mit dem entstehenden Plutonium seine militärische und wirtschaftliche Macht ausbauen konnte.

Heute befürwortet er als Regierungspartei den Bau der neuen Reaktorlinie. Die Einspruchsfrist zur Genehmigung der Umweltvertraglichkeitsprüfung für den PBMR lief am 25. Juli ab. Proteste und öffentlicher Druck bewirkten, dass der Umweltminister sie bis zum 25. August verlängerte. In dieser Zeit hat die Handelskammer von Kapstadt, die bisher den Bau des PBMR nahe der Dreimillionenstadt befürwortete, eine Neubewertung der Wirtschaftlichkeit vorgenommen. Es waren nämlich riesige Erdgasfelder an der Westküste Südafrikas entdeckt worden. Das hatte die Diskussion um Alternativen zur Atomkraft belebt.

Eine Studie von Forest Oil stellte fest, dass ein Gaskraftwerk an der Westküste wirtschaftlicher sei und weitreichende Konsequenzen für die ökonomische Entwicklung haben würde. Zufallig war in dieser Zeit ein Frachter mit 50 Tonnen mittelangereicherrem Uran vor Kapstadt auf Grund gelaufen.

In den letzten Tagen vor Verstreichen der Frist erhob nun auch die Stadtverwaltung Kapstadt Einspruch, ein wichtiger Teilerfolg für die Umweltschützer! Die Heinrich-Böll-Stiftung in Südafrika hatte noch rechtzeitig Teile des Internetauftrittes „Reaktorpleite.de“ der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm ins Englische übersetzt, sodass südafrikanische Umweltschützer wichtige Informationen zum THTR erhielten.

THTR-Rundbrief Nr. 84In Deutschland versuchen die Verantwortlichen für Atom-Know how-Export das Problem totzuschweigen. Umweltminister Trittin antwortet seit sechs Monaten nicht auf unsere Eingabe und ignoriert ebenso kritische Fragen des grünen Kreisverbandes Münster. Forschungsministerin Bulmahn schrieb uns, dass das Forschungszentrum Jülich in Zukunft noch eine Expertise zu einigen Sicherheitsaspekten des PBMR’s erstellen soll, und antwortet seit vier Monaten nicht auf konkrete Nachfragen. Außenminister Fischer, der im Jahre 2000 Südafrika besuchte und unter dessen Oberhoheit die nuklearen Kooperationen vereinbart worden sind, schweigt ebenfalls.

Allmählich wird sich die Hammer Bürgerinitiative überlegen, wie sie mit diesem Verhalten umgehen soll. Zunächst hat die BI einen Bürgerantrag vorbereitet, den möglichst viele Organisationen und Personen aus Hamm bis zum 15. Oktober 2003 unterstützen können. Bitte senden Sie Ihre Unterstützungserklärung an die Bürgerinitiative Umweltschutz.

Zur Zeit wird geprüft, welche Gutachten, Schriften und Bücher übersetzt werden müssen, damit die südafrikanischen Umweltschützer für inhaltliche und juristische Auseinandersetzungen gerüstet sind. Die Stadt Hamm könnte dabei helfen.

Eingabe an den Beschwerdeausschuss der Stadt Hamm:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Hiermit beantragen die unterzeichnenden Organisationen, dass zwischen der Stadt Hamm und der Stadt Kapstadt in Südafrika ein Erfahrungsausstausch zum Thema "Gefahren von Hochtemperaturreaktoren" hergestellt wird. Desweiteren soll hierdurch die solidarische Anteilnahme der Hammer Bürgerschaft an dem Widerstand der Region Kapstadt gegen den geplanten Bau eines Hochtemperaturreaktors 28 Kilometer nördlich von Kapstadt in Koeberg bekundet werden.

THTR-Rundbrief Nr. 85Begründung:

Die Stadt Hamm hat seit dem Jahre 1972 umfangreiche Erfahrungen mit dem THTR gemacht. Nicht nur die sich um ein Jahrzehnt verzögerte Inbetriebnahme und die explodierenden Kosten auf insgesamt über sechs Milliarden DM, sondern auch die zahllosenPannen und Störfälle in diesem Reaktor zeigen deutlich, dass vor dem weiteren Ausbau dieser Technologie weltweit gewarnt werden muss. Insbesondere der große Störfall in Hamm-Uentrop, bei dem zeitgleich mit der Katastrophe in Tschernobyl zusätzlich Radioaktivität abgegeben wurde, hat die Hammer Bürger zutiefst beunruhigt und Tausende bewogen, vor den Toren des THTR’s in Hamm-Uentrop gewaltfrei zu demonstrieren.

Obwohl der THTR 1989 endgültig stillgelegt wurde, hat das Forschungszentrum Jülich (FZJ) in den 90er Jahren bis heute an dieser Technologie weitergeforscht und in Zusammenarbeit mit der Atomindustrie und mit dem staatlichen südafrikanischen Energieversorgungsunternehmen ESKOM den Bau des Pebble Bed Modular Reactors (PBMR) - einer Variante des THTR’s - vorbereitet.

Gegen den geplanten Bau des PBMR haben bis zum 25. August 2003 nicht nur viele Umweltschützer, sondern auch die Stadt Kapstadt Einsprüche eingelegt. Neu entdeckte Erdgasvorkommen in dieser Region haben die Handelskammer von Kapstadt dazu bewogen, ihre Option für Atomkraft zu überdenken. Trotzdem plant die südafrikanische Regierung weiterhin, den Baubeginn im 1. Quartal 2005 zu genehmigen und den Export dieses Reaktors hauptsächlich in 3. Welt-Länder zu forcieren.

In dieser Situation ist es wichtig, dass die Menschen in Südafrika erfahren, welche Gefahren von dem THTR ausgehen und welche Erfahrungen mit dieser Technologie in Deutschland gemacht wurden, damit ihnen in Zukunft Probleme und Störfälle wie in Hamm erspart bleiben.

Anmerkung

Wie es mit der Bearbeitung dieser Eingabe weiterging, ist im THTR-Rundbrief Nr. 89 nachzulesen:

http://www.reaktorpleite.de/nr-89-maerz-04.html

 

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Aus: "Der grüne Hammer" (Neue Folge, Hg. GAL Uentrop), Nr. 3, 1985

Der Pleite-Reaktor: THTR

"Der grüne Hammer", Nr. 3, 1985Die SPD boxt umstrittenen Katastrophenschutzplan durch

Wer geglaubt hat, mit der Durchführung der Ratssondersitzung zum Katastrophenschutzplan für den THTR wäre alles Menschenmögliche für die Sicherheit der Hammer Bürger getan worden, der wurde durch die Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" eines Besseren belehrt:

"Noch im Bau: das Fernüberwachungssystem. Schnell und unabhängig von den Betreibern des Atomkraftwerks soll es die kontinuierliche Überwachung von Meßdaten durch die Aufsichtsbehörde, das Wirtschaftsministerium ermöglichen. Erfaßt werden sollen Art und Menge von radioaktiven Stoffe, die den THTR über den Abluftkamin oder das Abwasser verlassen. (...)

Veröffentlicht werden die Werte aber erst bei einem besonders bedrohlichen Störfall. Das Wirtschaftsministerium informiert dann das Innenministerium. Das dann wiederum die unmittelbar zuständige Katastrophenschutzbehörde‚ die Stadt Hamm‚ informiert. Ein langer Weg, bis man unmittelbar neben dem Reaktor weiß, was drinnen vorgeht. Nach der anstehenden Leistungsbetriebsgenehmigung wird das Kraftwerk bis zur Vollast ausgefahren. Mit allen Risiken, die auch im Normalbetrieb auftreten. Doch die Fernüberwachung - dieses wichtige Kontrollinstrument der Aufsichtsbehörde - ist noch nicht annähernd fertiggestellt. Mit der Fertigstellung der risikomindernden Fernüberwachung ist frühestens Anfang nächsten Jahres zu rechnen. Die Katastrophe kann bis dahin allerdings schon stattgefunden haben" (10. 7. 1985).

Die Ratssondersitzung brachte es an den Tag: Weder die rechtzeitige Alarmierung der Bevölkerung noch eine wirksame medizinische Versorgung kann im Katastrophenfall gewährleistet werden. Anfragen von Hammer Bürgern wurden‚ sofern überhaupt zugelassen, mit einer unglaublichen Arroganz abgekanzelt:

Beruferaten"Sie können also 1. keine Jodtabletten bekommen, weil sie keine benötigen. Sie wohnen nicht innerhalb des Kreises und es kann für sie theoretisch nichts eintreten. Und die zweite Frage ist so zu beantworten, daß eine Evakuierung für sie nicht in Frage kommt, und die dritte Frage ist so zu beantworten, daß sie sich um ihre Tiere keine Sorgen zu machen brauchen" (Aus der Niederschrift S.40).

Doch damit nicht genug. Dreiviertel aller 395 Bürgerfragen wurden durch einen Verfahrenstrick von OB Zech (SPD) gar nicht erst zugelassen. Anträge der GAL wurden von SPD und CDU gemeinsam abgeschmettert. Die SPD beantragte ein neutrales Gutachten wegen der Reduzierung der 10 km Zone auf 5 km. Nachdem der Katastrophenschutzplan sich als chaotisches Sammelsurium unzulänglicher Einzelmaßnahmen entpuppte und gleichzeitig der THTR in Betrieb geht, begnügt sich die SPD mit einer folgenlosen und völlig unverbindlichen Geste. Sie will damit die Zweifler in den eigenen Reihen beruhigen und von ihrer bewußten Untätigkeit und Befürwortung der Inbetriebnahme des THTR ablenken.

Der THTR ist mindestens genauso gefährlich wie der Schnelle Brüter in Kalkar, bei dem die SPD zur Zeit öffentlichwirksam ihre "Zweifel" in Szene setzt. Auch hierbei werden von der SPD keine bindende Verpflichtungen eingegangen, diese Atomanlage wirklich stillzulegen. Auf grüne Wähler und Stimmen der Umweltschützer ist die SPD scharf und um sie sich einzuverleiben sind ein paar Unverbindliche Spekulationen gerade gut genug - glaubt sie!

Der THTR ist das atomare Hätschelkind der SPD schon immer gewesen und deswegen wird über haarsträubende Sicherheitsmängel großzügig hinweggesehen. Da es auf der THTR-Baustelle drunter und drüber geht und die technische Konzeption des Reaktors unausgereift ist, mußte die lnbetriebnahme von 1977 bis heute immer wieder hinausgeschoben werden. Zur Zeit kommen die Betreiber mit den Abschaltstäben des Sicherheitssystems (!) nicht klar, weil sich der Kugelhaufen verdichtet hat und die Abschaltstäbe klemmen oder gar verbogen sind.

Dieses Versagen ist ein wesentlicher Punkt der neuesten Klage der Bürgerinitiative Umweltschutz gegen die Inbetriebnahme. Die bisherigen zahlreichen Klagen gegen den Reaktor werden von der 7. Kammer des Verwaltungsgerichts Arnsberg seit Jahren verschleppt. Der Vorsitzende des Gerichts ist der Vizebürgermeister der Stadt Soest und Ortsvereinsvorsitzender der SPD, Hans Grabis. - Zufall??

Anmerkung:

Diese dritte Ausgabe von "Der grüne Hammer" erschien in einer Auflage von 8.000 Exemplaren und wurde damit fast flächendeckend an alle Haushalte des Bezirks Uentrop verteilt. Ich war deswegen mehrere Wochen jeden Tag mehrere Stunden im Einsatz. - Das waren noch Zeiten ...

 

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Aus: "Atom Express", Nr. 2, 1981

Klage gegen den Pleitereaktor

Rechtsschutzaktie zur Abwehr des THTR

Zwei Hammer Bürger haben in den vergangenen Monaten, unterstützt durch die Bl Umweltschutz Hamm, beim Verwaltungsgericht Arnsberg eine Klage gegen den THTR-Hamm eingereicht, um den Bau dieses AKW´s auf gerichtlichem Weg zu stoppen.

RechtsschutzsaktieDer mit kugelförmigen Brennelementen gefüllte, heliumgekühlte Hochtemperaturreaktor wurde in den 60er Jahren als Alternative zu den Leicht- und Druckwasserreaktoren geplant. Doch 1970 gaben die Franzosen dieses Projekt auf, 1973 die Engländer und 1975 die Amerikaner. Zur Zeit ist lediglich in Jülich ein HTR-Versuchsreaktor mit 15 MW in Betrieb. Der THTR-Hamm wäre also mit 300 MW die erste Demonstrationsanlage.

Das Genehmigungsverfahren mit Anhörung der Bevölkerung fand 1970/71 statt, als der Widerstand gegen die Atomenergie noch nicht weit verbreitet war. Seit 1971 wird an dem THTR gebaut und die Inbetriebnahme war für 1977 geplant. Doch durch technische Schwierigkeiten und zusätzliche Sicherheitsauflagen wurde die Fertigstellung immer wieder verzögert. Heute wird die angestrebte Inbetriebnahme von den Vereinigten Elektrizitätswerken (VEW) mit 1983 angegeben. Die Baukosten sind von geplanten 710 Mio. DM bis heute auf 2,5 Mrd. DM gestiegen, wobei 90% der Kosten durch Steuergelder gedeckt werden.

Die zwei Kläger versuchen das Gericht zu überzeugen, daß in den zehn Jahren Bauzeit soviele Änderungen an dem ursprünglich genehmigten Reaktor vorgenommen worden sind, daß ein neues Genehmigungsverfahren notwendig ist. So ist das Meß- und Regelsystem verändert worden, das Notkühlsystem ist umdimensioniert und der zunächst der Planung zugrundeliegende Sicherheitsbericht ist von Grund auf und in einer Vielzahl von Einzelheiten durch sog. "Planungsgrundsätze" ersetzt worden.

Der Grüne Hammer Nr.13Aus diesen Gründen fordern die Kläger einen sofortigen Baustop für den THTR-Hamm. Allerdings ist es so, daß es sich praktisch keine Privatperson leisten kann, gegen ein solches Großprojekt gerichtlich vorzugehen. Ein vergleichbares wirtschaftliches Risiko ist auf der Betreiberseite, die als Kapitalgesellschaften in ihrer Haftung beschränkt sind, nicht zu finden.

Die Rechtsschutzaktie

Wir müssen damit rechnen, daß der Prozeß einige zenhntausend DM kosten wird. Wichtig ist nun für uns Umweltschützer, die beiden Kläger finanziell zu unterstützen und das finanzielle Risiko auf möglichst viele Menschen zu verteilen. Aus diesem Grunde haben wir eine Rechtsschutz-Aktie eingerichtet. Sie ist auf gutem Papier mit einem alten Stadtbild von Hamm gedruckt. Jede einzelne Aktie hat eine laufende Nummer und ist mit einem Preis von 5, 10, 20, 50 oder 100 DM ausgewiesen. Wir hoffen, daß auch Sie regen Gebrauch von der Rechtsschutz-Aktie machen. Durch die Überweisung eines entsprechenden Betrages erhaltet lhr die Rechtsschutz-Aktie automatisch zugeschickt.

Natürlich werden sich die Bl´s nicht nur auf juristischem Wege gegen den THTR-Hamm wehren, sondern gewaltfreie, direkte Aktionen sind ebenfalls ein Teil ihres Widerstandes. Ein erster Schritt war eine Demonstration von 1.500 Bürgern in Hamm am 31. Mai 1980. Auch in der überregionalen Presse ist diese Aktion beachtet worden und hat vielen Umweltschützern Auftrieb gegeben.

Trotzdem kann dieser Erfolg nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Kampf gegen den THTR-Hamm auch im Bewußtsein vieler Umweltschützer ein Schattendasein geführt hat. Selbst BI´s, die im näheren Bereich von Hamm arbeiten, beschäftigen sich oft viel intensiver mit weiter wegliegenden Standorten wie Gorleben oder Brokdorf, als mit dem THTR. Es ist sicherlich unsere Aufgabe, durch verstärkte Aktivitäten neue Kreise für ein Engagement gegen den THTR und für das Leben zu gewinnen.

Anmerkung

Dieser Artikel wurde ebenfalls im "Umweltmagazin" des BBU (Nr. 1, 1981) und im "Paderborner Stattblatt" Nr. 12 (1980) abgedruckt.

 

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Weitere Beiträge …

  • Widerstand gegen den THTR in Hamm
  • Tschernobyl-Jahrestag: Kundgebung vor THTR in Hamm!
  • (Noch) keine Graswurzelrevolution im Bundesumweltministerium
  • THTR und Ratssitzung – eine Katastrophe!

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