Aus: "Grünes Info", Monatszeitung des NRW-Landesverbandes der Grünen, Nr. 5/6, 1986

Nach dem Störfall: Aktionen von Bauern und Verbrauchern gegen den THTR

Kleine Chronik des regionalen Widerstandes gegen denTHTR Hamm im Mai/Juni 1986 nach dem Störfall im Reaktor:

10. Mai

Zwanzig Bauern und zahlreiche Verbraucher blockieren für zwei Tage die beiden Hauptzufahrten zum THTR mit Traktoren und Anhängern. 500 Menschen demonstrierten zeitweise mit.

Aktionen am THTR, 1986. Foto: Horst Blume17. Mai

Bundesweite Kundgebung der Jusos in der Hammer Innenstadt mit 1.000 Teilnehmern. Die NRW-Grünen riefen mit auf, waren aber nur mit drei Personen anwesend.

19. Mai

Großkundgebung der Interessengemeinschaft "Bauern und Verbraucher" mit 2.500 Menschen vor dem THTR.

28. Mai

Ratssitzung in Hamm. Die Bürgerinitiativen verlangen Rederecht, was aber abgelehnt wird. Nach kurzem Geplänkel wird die Ratssitzung von den herrschenden Parteien abgebrochen. Die Stadt Hamm schweigt weiter zum THTR, während andere Städte in NRW ihre VEW-Aktienanteile verkaufen und den Ausstieg aus der Atomenergie fordern.

1. Juni

Bei der Eröffnung der Umweltschutzwoche wird von allen beteiligten Naturschutzvereinen die Anwesenheit der VEW kritisiert. Nach einer Demonstration wird der VEW-Stand abgebaut.

Aktionen am THTR, 1986. Foto: Horst Blume2. Juni

Die Interessengemeinschaft "Bauern und Verbraucher" blockiert erneut die beiden Hauptzufahrten zum THTR. Ein kleines Zeltdorf entsteht. Trotz strömendem Regen, schleppend anlaufender überregionaler Hilfe durch die Grünen wird die Blockade sieben Tage aufrechterhalten!

6. Juni

Die dritte Zufahrt wird blockiert, um nach alarmierenden Meldungen über hohe radioaktive Werte die Herausgabe des VEW-Messgerätes zu erzwingen. Der schmale, verwinkelte Feldweg war die letzte notdürftige Zufahrt für die VEW. Ein Messgerät wurde herausgegeben. Aber das noch nicht einmal geeichte Gerät war ungeeignet, eine aussagekräftige Messung durchzuführen.

7. Juni

Großkundgebung mit 7.000 Menschen zur Unterstützung der Blockade. Die Kundgebung wurde kurzfristig drei Tage vorher beschlossen, aber trotzdem ein großer Erfolg.

Aktionen am THTR, 1986. Foto: Horst Blume8. Juni

Presseerklärung der "Bauern und Verbraucher gegen Atomenergie": "Seit Montag, den 2. Juni, haben wir zum zweiten Mal die Haupttore des THTR in Hamm-Uentrop blockiert. Unsere Sorge um die Bedrohung der Lebensgrundlagen und der Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe wurde durch den Skandal vom 3./4. Mai erneut entfacht. Sie wurde durch die Beschwichtigungs- und Desinformationspolitik der Landesregierung und der Betreiber nicht geringer. Im Gegenteil wurde sie verstärkt durch erneut hohe Messwerte am 21. Mai und 6. Juni.

Es gelang uns in dieser Zeit, Brenn- und Bezugspunkt für die Bevölkerung zu werden und durch gemeinsame Gespräche und Aktionen uns Mut zu machen und der Angst entgegenzustellen. Trotz Dauerregen und nur anfänglicher Presseberichterstattung wurden wir immer mehr. Der Höhepunkt war die friedliche Kundgebung am Samstag mit ca. 7.000 TeilnehmerInnen, obwohl schwangeren Frauen und kleinen Kindern aufgrund der letzten Messungen geraten wurde, nicht teilzunehmen. Das Plenum der BlockiererInnen entschied heute mittag, die Blockade auszusetzen. Denn die Bauern müssen dringendst in ihre Betriebe zurück und diedie Verbraucher werden ihnen auf den Höfen helfen. Dies ist eine weitere Form der Aktionsgemeinschaft der „Bauern und Verbraucher gegen Atomenergie“. Die Zeit, in der die Blockade ausgesetzt ist, wird außerdem zur verstärkten Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden.

Unsere Forderungen nach endgültiger Stilllegung des THTR und aller anderen Atomanlagen vertreten wir weiter; solange werden wir keine Ruhe geben!“

Für die nächsten Blockaden und Demonstrationen wird ab jetzt an der Verbesserung der überregionalen Kommunikation und Organisationsfähigkeit der Bürgerinitiativen gearbeitet, damit die "Bauern und Verbraucher" das nächste Mal besser unterstützt werden können. Macht die Ohren und Augen auf, damit ihr mitbekommt, wann es das nächste Mal losgeht.

Aktionen am THTR (Treckertreck), 1986. Foto: Horst BlumeAnkündigung:

10. bis 12. Juli: Trecker-Treck der Bauern und Verbraucher gegen Atomenergie nach Düsseldorf! Keine Inbetriebnahme des THTR!

+ Donnerstag, 10. Juli: Abfahrt am THTR Hamm-Uentrop

+ Freitag, 11. Juli: Zwischenkundgebung in Dortmund. (Zum gleichen Zeitpunkt findet die Atom-Betriebsrätekonferenz in der Westfalenhalle statt).

+ Samstag, 12. Juli: Weiterfahrt über Bochum und Essen nach Düsseldorf. NRW-Großkundgebung.

Der Trecker-Treck wurde auf dem Initiativen-Plenum in Hamm, an dem sich ca. 40 Gruppen aus NRW beteiligten, beschlossen. Nach den zwei Blockaden am THTR und zahlreichen Aktionen vor Ort wollen wir unseren Druck auf die Verantwortlichen in Düsseldorf verstärken.

Sorgt dafür, dass möglichst viele Menschen von dem Treck erfahren und das an der Strecke möglichst viel los ist (Musik, kleine Kundgebungen usw.) und das möglichst breite Bündnisse den Trecker-Treck und die Großkundgebung in Düsseldorf unterstützen. Der Landesverband der Grünen und die Jusos haben bereits zugesagt. Sprecht Bauern in der Umgebung an, dass sie mitmachen! Wer an dem Treck selber nicht teilnehmen kann, sollte zumindest auf der Abschlusskundgebung dabei sein.

THTR-Messstationen sind sofort notwendig – Grüne schlafen weiter!

Anfang April berichteten wir im Grünen Info über die Bemühungen der "Gesellschaft für angewandten Umweltschutz" (GAU), im direkten Umkreis des THTR-Hamm mindestens vier Radioaktivitäts-Meßstationen und eine dazugehörige Wetterstation aufzustellen. Ebenfalls über den Rundbrief der Grün/Alternativen in den Räten wurden die Fraktionen im April darum gebeten, einen Teil ihrer Diatenerhöhungen für Kommunalparlamentarier für die Messstationen zu spenden. Die Kosten werden auf 50.000 DM geschätzt.

Aktionen am THTR, 1986. Foto: Horst BlumeVon den 52 grünen NRW-Kreisverbänden haben 50 diese Bitte ignoriert. Der Ökofond weigerte sich anfangs sogar, das Thema überhaupt auf seine Tagesordnung zu setzen und wurde erst Wochen später durch die Ereignisse in Tschernobyl etwas flotter und sagte dann endlich 10.000 DM zu. Ein solches Desinteresse bei einer Anti-Atom-Partei ist doch sehr seltsam! Bisher haben nur die GAL Hamm 5.000 DM, der Warendorfer KV 2.000 DM und der Gütersloher KV 100 DM zugesagt. Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Situation am THTR sind schnelle Reaktionen auch von den Grünen gefragt! In zwei bis drei Wochen wird die erste Messstation am THTR aufgestellt werden können, weitere sollen so bald wie möglich folgen. Der Öko-Messtrupp besucht auch gerne euren Kreisverband und stellt sein Projekt vor. Wir haben allerdings keine Zeit und Kraft, bei jedem Kreissverband mehrere Male wegen einer finanziellen Unterstützung anzufragen. Deswegen meldet euch bitte bei der "Gesellschaft für angewandten Umweltschutz" (GAU).

Weitere Infos zu den Aktionen gegen den THTR im Jahr 1986:

"Rückblick: 15 Jahre Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm" (aus: "BBU-Infodienst", Nr. 6, 1991):

https://www.machtvonunten.de/lokales-hamm/192-rueckblick-15-jahre-buergerinitative-umweltschutz-hamm.html

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume 

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

Aktionen am THTR 1986, Foto: Horst Blume

 

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