Aus: "ökologisch", Nr. 1, 2000

THTR: Erhaltungsbetrieb mit Hindernissen?

Still ist es geworden um den stillgelegten Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR). Nachdem die eine Hälfte des radioaktiven Inventars nach Ahaus in das Brennelemente-Zwischenlager (BEZ) gebracht wurde, befindet sich der in Hamm verbliebene Rest für 30 Jahre in einem sogenannten Erhaltungsbetrieb. Hierfür erteilte 1997 die NRW-Landesregierung eine 52 Seiten umfassende Genehmigung.

Plakate der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm im Schaufenster des FuGe-Ladens in HammDoch schon nach einem Jahr beantragte die Betreiberin Hochtemperatur-Kernkraftwerk (HKG) Änderungen, die teilweise organisatorischer Art sind. Hierzu hat 1998 die Stadtverwaltung Hamm eine Mitteilungsvorlage erstellt und erklärt, hiergegen keine Bedenken zu haben. Eineinhalb Jahre später schreibt das zuständige NRW-Ministerium auf Anfrage der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm, dass die Prüfungen noch nicht abgeschlossen seien, weil noch keine "entscheidungsreifen Unterlagen" vorlägen.

Hat die Stadtverwaltung Hamm vorschnell und ohne Kenntnis der gesamten Unterlagen geurteilt und möglicherweise auf wichtige Bedenken verzichtet? Oder hat die HKG Probleme beim Erhaltungsbetrieb des Reaktors und muss bei den beantragten Ergänzungen andauernd nachbessern? Muss ein völlig neues Genehmigungsverfahren – auch unter Beteiligung der Stadt Hamm - stattfinden?

Um diese Fragen zu klären, hat die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen eine entsprechende Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt. Die Bürgerinitiative hat gleichzeitig die HKG um Aufklärung in diesem Fall gebeten.

Castoren rosten!

Castor ...Die kleine Anfrage des günen Landtagsabgeordneten Rüdiger Sagel brachte es an den Tag: Bereits vier Jahre nach dem letzten Transport der THTR-Brennelemente von Hamm nach Ahaus rosten die Castoren. Die Korrosionsschutzbeschichtung der Behälter weist an scharfen Kanten nur eine geringe Schichtdicke auf und ist dort besonders anfällig für Beschädigungen. In Einzelbereichen ist sogar ganz auf eine Beschichtung verzichtet worden.

Wegen des geringen Füllungsgrades der Halle in Ahaus reiche die von den THTR-Castor-Behältern ausgehende Wärme nicht aus, die Behälter trocken zu halten, teilte die Landesregierung mit. Jetzt würden die zu großen Lüftungsöffnungen in der Halle geschlossen und ein Feuchtigkeitsmessprogramm eingerichtet. Alle Schutzplatten der 305 Behälter müssen nun innerhalb der nächsten drei Jahre entfernt, an einen Ort außerhalb des Zwischenlagers gebracht, dort durch Sandstrahl von den Rostschäden befreit und neu lackiert werden. Während dieser Zeit sind die Castoren 1 bis 2 Wochen vom Überwachungssystem für die Behälterdichtigkeit abgekoppelt, sodass Undichtigkeiten nicht festgestellt werden können.

Es ist alarmierend, dass Behälter, die immerhin mindestens 40 Jahre halten sollen, bereits nach vier Jahren gegen so biedere Kräfte wie Rost und Korrosion verwundbar sind. Es ist unverantwortlich, dass für alle 19 Atomkraftwerke in Deutschland Stellplätze in Ahaus reserviert wurden. Im Münsterland bereitet sich die Bevölkerung auf ihre Weise auf die kommenden Transporte vor.

Anmerkung

"ökologisch – 'Grünes Info' für aufgeweckte Leute" wurde von Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Hamm in einer Auflage von 5.000 Exemlaren herausgegeben.Zeitung "ökologisch" Nr.1, 2000

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