Aus: "Der grüne Hammer" (Neue Folge, Hg. GAL Uentrop), Nr. 1, 1984

Wem nützt die Landesgartenschau?

"Freu dich auf die Landesgartenschau" – mit diesem Werbespruch wollen die etablierten Parteien und die Verwaltung uns Bürger das 40 Millionenprojekt schmackhaft machen. Ob wir tatsächlich etwas zu lachen haben werden, ist aber noch die große Frage. Die zahlreichen neu- und ausgebauten Straßen und viele Tausend neugeschaffenen Parkplätze in der Umgebung der Landesgartenschau haben wohl mehr Natur plattgewalzt, als die Schau jemals wieder gutmachen könnte.

Der Grüne Hammer, Nr. 1, 1984Diese sterilen Betonpisten sollen für die unmittelbaren Anlieger den vielgepriesenen neuen Wohnwert darstellen, auf den die etablierten Politiker so stolz sind? Da es sich bei der Landesgartenschau um eine künstliche Grünzentrale handelt, wird ein Großteil der 600.000 erwarteten Besucher mit Autos von weither anreisen, was zu zusätzlichen Lärm- und Abgasbelästigungen in der Umgebung führen wird.

Das mit großem Aufwand auf einer einzigen Stelle konzentrierte Schaugrün der Landesgartenschau saugt die ohnehin geringen zur Verfügung stehenden Mittel des Haushalts der Stadt auf, sodass Verbesserungen im unmittelbaren Wohnbereich mal wieder auf unbetimmte Zeit verschoben werden müssen. Für flächendeckende Stadtdurchgrünung oder verkehrsberuhigte Straßen ist deswegen kein Geld mehr da.

Von einer "Revitalisierung einer Industriebrache" ist in den protzig aufgemachten Glanzpapierprospekten die Rede. Bevor Bagger und Bulldozer das Gartenschaugelände nach dem Willen der Planer zurechtmanipuliert haben, war die ursprüngliche Naturlandschaft viel vitaler. Dass die Natur sich selbst in Ordnung bringt, wenn man ihr nur die Chance dazu lässt, scheint den Verantwortlichen der Stadt unbekannt zu sein. Stattdessen werden jetzt künstliche Wasserspiele, monotone Beete, Blumenteppiche und Strauch- und Staudenkulissen das Bild beherrschen. Selbst die Fachzeitschrift "Deutscher Gartenbau" Nr. 44 (1983) meldete Kritik an: "Man mag hier darüber streiten, ob der Sturzbach, der sich in diesem Bereich ergießen wird, unbedingt hätte sein müssen. So landschaftsgerecht scheint er nicht zu sein."

Aus: Der Grüne Hammer, Nr. 1, 1984Aber letztendlich berührt diese Überplanung des Grüns die gärtnerischen Berufsverbände recht wenig, denn ihnen geht es in erster Linie um die verkaufsförderde Präsentation ihrer Produkte. Aber es gibt noch viele Andere, die an dem Naturrummel mitverdienen wollen. Der Durchführungshaushalt für die Landesgartenschau beträgt acht Millionen DM. Aus ihm heraus fließen Gelder für Hallenschauen, Veranstaltungen, Verkehrsleitsysteme, Bewachung und Werbung.

Durch Eintrittsgelder werden drei Millionen DM aufgebracht, den Rest hat die Bevölkerung durch Steuern zu zahlen. Das angegliederte Veranstaltungsgebäude für 1200 Personen und die skandalumwitterte benachbarte Eissporthalle zeigen ebenfalls, das es sich bei der Landesgartenschau in erster Linie um eine von Geschäftssinn geprägte Unternehmung handelt und nicht um ein selbstloses Bemühen der Politiker, die Natur zu schützen.

Noch vor wenigen Jahren haben die von der Landesgartenschau betroffenen SPD-Ortsvereine Werries und Ostwennemar dieses Projekt abgelehnt. Heute beteuern sie in ihrer Stadtteilzeitung "Kurhaus, Kühlturm, Kolonie": "Wir freuen uns auf die Landesgartenschau". Und die Bürger von Hamm sollen sich nach dem Wunsch der Politiker gefälligst ebenfalls freuen. Denn am 30. September ist die Kommunalwahl und da hoffen sie auf fette Prozente. Die Landesgartenschau kommt genau richtig, um den Politikern die unvermeidliche Gelegenheit zu geben, sich dem Wahlvolk als die Einzigen zu präsentieren, die diesen groben Unfug erst möglich gemacht haben. Dafür sollten sie die Quittung bekommen.

Nachwort

Der Maxipark in Hamm stellt heute sicherlich für viele Menschen einen beliebten Veranstaltungsort und eine beliebte Erholungsmöglichkeit dar. Ob sie bei dem vielen Trubel allerdings immer eine nachhaltige Erholung bringt, sei einmal dahingestellt. Von daher ist meine damalige ziemlich verbalradikale Kritik sicherlich in einigen Punkten überholt. Sie war ohnehin teilweise dem Kommunalwahlkampf im Jahre 1984 geschuldet.

Aber einige angesprochene Probleme bestehen heute mehr denn je, wenn ich mir den WA-Artikel vom 8. Mai 2018 ansehe: "Das gute Wetter am Sonntag lockte wieder viele Besucher in den Maxipark. Dass gleichzeitig auch noch die Veranstaltung 'Musik im Park' stattfand, führte zu einem Parkchaos am und um den Maxipark." Maxipark-Geschäftsführer Jörg Rogalla betonte: "Mit den Parkplätzen an der Westpressarena und dem Einkaufszentrum haben wir geschätzt rund 1350 bis 1400 Parkplätze. Ich würde schon sagen, dass wir mehr bräuchten." – So ganz falsch habe ich also mit einigen Kritikpunkten wohl doch nicht gelegen. Und wie wird es erst werden, wenn tatsächlich die Bundesgartenschau hierhin kommen würde??

"Der Grüne Hammer" Nr. 1 erschien in neuer Folge als Zeitung der Grün-Alternativen Liste (GAL) für Hamm-Osten, Werries, Ostwennemar und Uentrop in einer Auflage von 4.000 Exemplaren.

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