Originalbeitrag, Mitte Februar 2026

Hamm und Lippetal: Blackout beim Blackstone-Projekt?

Großrechner ist eine Gefahr für die Demokratie und Frieden

In Lippetal, etwa 1,5 Kilometer vom THTR in Hamm entfernt, soll nach dem Willen von Hammer und Lippetaler Kommunalpolitikern von dem US-Konzern Blackstone für mindestens vier Milliarden Euro ein riesiges Rechenzentrum auf 27 Hektar Fläche in der Lippeaue gebaut werden (1). Jenseits wichtiger ökologischen Themen wie Flächenversiegelung und die anvisierte Energieversorgung mit angeblich grünem Wasserstoff aus weiter Ferne, wirft dieses geplante Projekt noch weitreichendere Fragen auf.

Die Blackstone Group (2) ist eine US-amerikanische Investmentgesellschaft, die zum ersten mal 2005 in der BRD im Rahmen der „Heuschreckendebatte“ (3) stärker beachtet wurde. Es handelt sich hierbei um ein Risikokapitalunternehmen, das weltweit agiert und auch in der BRD kräftig mitmischt. Zum Beispiel im Immobiliengeschäft mit einem Vermögen von 17 Milliarden Euro (4). Es beschäftigt hier über 7000 MitarbeiterInnen in seinen Portfoliounternehmungen (5).

Blackstone-CEO ist Berater und Sponsor von Trump

Die in Hamm/Lippetal tätig gewordene Firma Quality Technology Services (QTS) ist seit 2021 Bestandteil von Blackstone. QTS betreibt 75 Rechenzentren in den USA und Europa, ist auf Expansionskurs und unterhält enge Verbindungen zur US-Regierung, die sich während der zweiten Amtszeit von Präsident Trump weiter intensiviert haben. Blackstones CEO Stephen Schwarzman (6) ist mit einem Privatvermögen von 35 Milliarden Dollar ausgestattet und ein enger Berater und Finanzier von Trump (7).

QTS ist eng mit dem US-Kriegsministerium verflochten

Hamm und Lippetal: Blackout beim Blackstone-Projekt? Großrechner ist eine Gefahr für die Demokratie und FriedenQuality Technology Services (QTS) Data Centers hat intensive Verbindungen zur Trump-Regierung insbesondere durch ihre Rolle als Anbieter von Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Dienste im Rahmen der "America First"-Offensive.

Ein Teil des „Federal Assurance“-Teams von QTS besteht aus ehemaligen Sicherheitsexperten der Regierung. Über 21% der QTS-Mitarbeiter haben einen militärischen Hintergrund (8), an anderer Stelle werden 35 % genannt.

QTS schrieb am 8. 11. 2023: „Anlässlich des Veteranentags im November unterstreicht QTS Data Centers sein kontinuierliches Engagement für Veteranen und aktive Militärangehörige im ganzen Land, von ehemaligen Militärangehörigen, die im Unternehmen arbeiten, bis hin zu Outreach-Kampagnen für diejenigen, die noch im Dienst sind. Das Unternehmen hat eine tiefe Wertschätzung für die Opfer des Militärs in seine Unternehmenskultur integriert (...) Die Arbeit des Unternehmens wurde kürzlich von VIQTORY gewürdigt, das QTS mit dem Military Friendly® Employer – Silver Award auszeichnete. Diese Auszeichnung ist der Maßstab, an dem das Engagement, die Bemühungen und der Erfolg einer Organisation gemessen werden, nachhaltige und sinnvolle Vorteile für die Militärgemeinschaft zu schaffen. QTS wurde bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet. “ (9).

Die „Federal-only Campuses“ von Quality Technology Services (QTS) arbeiten auf militärischer Ebene mit der US-Regierung und dem Kriegsministerium zusammen, indem sie spezielle hochsichere Rechenzentren zur Verfügung stellen, die physische und cyber-technische Verteidigung miteinander kombinieren und unabhängige Bereiche hierfür innerhalb der Rechenzentren einrichten (10).

QTS und Palantir – zwei Seiten einer ICE-Medaille

Zum technologischen Netzwerk, das von der neuen Trump-Regierung stark durch Exekutivanordnungen gefördert wird, gehört neben QTS auch der Überwachungskonzern Palantir (11). Die gemeinsame Zusammenarbeit als Dienstleister für die US-Regierung wurde intensiviert. QTS stellt die Rechenzentren bereit, Palantir arbeitet damit.

Auf diese Weise wird in den USA eine Software eingesetzt, um Migranten zu identifizieren, zu verfolgen und abzuschieben. Sie wird von der berüchtigten Terrortruppe ICE genutzt. Diese neue Datenverarbeitung ist eine Abkehr von langsam arbeitenden isolierten Datensilos hin zu einer modernen Cloud-Infrastruktur, die KI-gestützte Analysen und Echtzeit-Datenaustausch ermöglicht: „ICE steht kurz vor der Einführung einer neuen Technologie, mit der sich die Zeit für die Eingabe der Daten jedes einzelnen Häftlings von durchschnittlich 45 Minuten auf knapp 30 Sekunden reduzieren lässt, so Goetz. „Das sind 45 Minuten, in denen man sitzt und die Daten aus einer Anwendung in die nächste Anwendung eingibt, und mit jeder Minute, in der sie nicht wieder auf der Straße sind, geht Zeit verloren, die man für die Festnahme der nächsten Person nutzen könnte ...“ (12).

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ machte in einem Bericht darauf aufmerksam, dass sich Mitglieder der ICE-Truppe bei den Olmpischen Spielen in Italien und unabhängig davon in Wien aufhalten (13).

Da in der BRD und auch hier in NRW die Polizei die umstrittene Palantir-Anwendung „Gotham“ (siehe Anmerkung 11) benutzt, können sich durch den QTS-Großrechner bei Hamm echte „Synergieeffekte“ ergeben. Allerdings ist es fraglich, ob dies mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vereinbar wäre.

Palantir reagiert auf Nachforschungen und Kritik ausgesprochen gereizt. Der Großkonzern geht momentan „presserechtlich gegen das Schweizer Magazin „Republik“ vor. Das hatte in Recherchen nachgezeichnet, warum die Systeme des Unternehmens problematisch für Staaten und deren Souveränität sind“ (14).

Der autoritäre Hightech-Komplex

US-Vizepräsident JD Vance, Zögling von Peter Thiel (15), der aus seiner Verachtung für die Demokratie kein Geheimnis macht, setzt sich sehr für die Deregulierung der Tech-Infrastruktur ein, um rücksichtslos eigene politische Ziele zu verfolgen und diese Technologien tief im US-Staatsapparat zu verankern. Die Folge sind eine schnelle Genehmigung von QTS-Rechenzentren und keine Hürden bei der Datenzusammenführung bei Palantir.

Die US-Regierung fühlt sich an keinerlei Gesetze mehr gebunden und die USA gleiten in eine Diktatur ab. Dies stellt eine große Gefahr für Europa dar, wenn Firmen wie QTS und Blackstone hier agieren können. Sie würden zu Vollzugsgehilfen eines demokratiefeindlich gesonnenen Machtgebildes und würden die komplexeste Herausforderung für eine demokratische Regierungsform im digitalen Zeitalter darstellen.

Die rechtsradikalen Tech-Milliardäre sind dabei, eine facettenreiche Konstruktion aus Cloud-Plattformen, KI-Einsatz, Finanzinstrumenten und Satellitensystemen als Machtmittel und Überwachungsinstrument zu installieren. Mit diesen Komponenten entziehen sie sich jeder öffentlichen Aufsicht und binden im Gegenteil Regierungen in ihre eigenen privatwirtschaftlichen Strukturen ein. Ist ein „Kunde“ erstmal in die Falle getappt, kann er nicht mehr woandershin wechseln, ist auf ständige Updates angewiesen und die Tech-Unternehmen haben auf diese Weise eine überragende Machtposition erobert. Diese weitere Abhängigkeit schränkt die politische Selbstständigkeit von Staaten ein und setzt innerhalb der neuen Infrastruktur eine antidemokratische Logik durch.

Le Monde Diplomatique resümiert: „Die Techno-Autokraten wissen, dass man, um Macht auszuüben, keine Wahlen gewinnen muss – sondern nur Verträge abschließen. Das aber heißt: Mit jedem staatlichen Beschaffungsprogramm wird die demokratische Wahlmöglichkeit eingeengt, bis die Wahl als solche auf technischer Ebene durch eine Infrastruktur eingeschränkt wird, die im Interesse der Investoren und nicht für die Bürgerinnen und Bürger errichtet wurde“ (16).

Diese Anlage führt zu zusätzlichen Sicherheitsproblemen

Es wird seit vielen Jahren immer wieder betont, dass es wichtig sei, in Europa eine eigene digitale Souveränität herzustellen, um nicht von anderer Stelle unter Druck gesetzt und ausspioniert zu werden. Das neue Rechenzentrum in Lippetal/Hamm würde diese Bemühungen, fänden sie denn endlich statt, konterkarieren. Es ist also auf dem Instanzenweg zu klären und zu fragen, ob dieses geplante Rechenzentrum den Interessen der BRD und der EU, in einem sicheren und demokratischen Gemeinwesen zu leben, zuwiderläuft.

Da das geplante Rechenzentrum von dem eng mit dem US-Kriegsministerium zusammenarbeitenden QTS-Konzern betrieben wird, ist es naheliegend, dass dieser Standort bei militärischen und politischen Spannungen in das Visier von anderen Staaten, zum Beispiel Russland, geraten würde. Hinzu kommt noch, dass in nur 1,5 Kilometer Entfernung im THTR noch 1,5 Kilogramm hochradioaktives Material lagert. Darunter auch Plutonium. Es dürfte klar sein, dass ein solcher militärisch relevanter Großrechner von Sicherheitskräften nicht nur aufwändig bewacht und kontrolliert werden muss, sondern ebenfalls die Abwehr von Drohnen eine Rolle spielt.

Es ist schon erstaunlich, dass der „Deal“ mit Blackstone von Seiten der Kommunalpolitik in Hamm und Lippetal so euphorisch und unkritisch gesehen, ja, von ihr selbst mit in die Wege geleitet wurde. Haben diese Akteure tatsächlich nicht gemerkt, dass sich in vielen Teilen der Welt eine neue autoritär ausgerichteten Weltordnung etabliert hat und dass sie von erwiesenermaßen skrupellos agierenden Techkonzernen und einer rechtsradikalen, demokratiefeindlichen US-Regierung für ihre Ziele nur benutzt werden?

Vor zwei Jahren, als die Verhandlungen mit Blackstone und QTS begannen, war noch nicht vollständig absehbar, das Trump Präsident der USA werden würde und mit welcher Geschwindigkeit und Intensität sich die diktatorischen Tendenzen zum Schlimmeren entwickeln würden. Noch besteht die Möglichkeit, den „Deal“ zu hinterfragen und zu stoppen.

(Updates befinden sich unten!)

 

Auch die Lippeaue steht manchmal unter Wasser .... (Foto: Horst Blume)

 

Anmerkungen

(1) Siehe: https://www.wa.de/hamm/rechenzentrum-in-lippetal-euphorie-trotz-offener-nachhaltigkeitsfragen-94126722.html

 (2) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Blackstone_Group

(3) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschreckendebatte

(4) Siehe: https://www.iz.de/unternehmen/news/-blackstone-ist-in-deutschland-17-mrd.-euro-schwer-2000015631#:~:text=Logistik%20dominiert%20das%20Europa%2DPortfolio.%20%C3%9Cber%20alle%20Assetklassen,mal%2013%25%20auf%20diese%20Assetklasse%2C%20die%20mit

(5) Siehe:

https://www.dfpa.info/investmentfonds-news/blackstone-baut-praesenz-in-deutschland-aus.html#:~:text=Blackstone%20ist%20seit%20mehr%20als%20zwei%20Jahrzehnten,als%2017%20Milliarden%20Euro%20in%20Deutschland%20beteiligt

(6) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_A._Schwarzman

(7) Siehe: https://www.handelsblatt.com/politik/international/grossspender-wichtiger-erfolg-fuer-trumpblackstone-ceo-schwarzman-will-doch-gelder-fuer-ihn-einsammeln/100039877.html

(8) Siehe: https://qtsdatacenters.com/news/qts-awarded-for-championing-veterans-and-military-servicemembers/

(9) Siehe Anmerkung 8

(10) Siehe: https://qtsdatacenters.com/resources/honoring-our-nations-heroes-the-qts-freedom-wall/

(11) Siehe: https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/august/das-ueberwachungsimperium

(12) Siehe: https://www.meritalk.com/articles/ice-cio-unveils-industry-push-to-expand-immigrant-detention/#:~:text=ICE%20(%20U.S.%20Immigration%20and%20Customs%20Enforcement,a%20specific%20type%20of%20technology%20each%20session

(13) Siehe: https://www.derstandard.de/story/3000000307896/was-machen-ice-beamte-in-oesterreich-und-generell-im-ausland

(14) Siehe: https://netzpolitik.org/2026/david-gegen-goliath-ueberwachungskonzern-palantir-verklagt-die-republik/

(15) Siehe Anmerkung 11

(16) Siehe: https://monde-diplomatique.de/artikel/!6113232

 

Hier noch eine Leseempfehlung aus der aktuellen Ausgabe 2/2026 der "Blätter": "Toxische Tech-Abhängigkeit. Der steinige Weg zur digitalen Souveränität": 

https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/februar/toxische-tech-abhaengigkeit

 

Update 1

Blackstone CEO Stephen A. Schwarzman unterstützt finanziell über eine Stiftung den umstrittenen und stark kritisierten Abriss von Teilen des Weißen Hauses in Washington, um den von Trump gewollten 8.360 Qadratmeter großen „Ballsaal“ mit einer Kapazität von 1.350 Personen zu bauen. Es wurde ohne Abrissgenehmigung bereits mit dem Bau begonnen. Die Kosten belaufen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 250 bis 400 Millionen Dollar.

https://de.wikipedia.org/wiki/White_House_State_Ballroom

Update 2

Für 11,5 Milliarden Dollar übernimmt Blackstone im Februar den Energieversorger TXNM und damit die drei Reaktorblöcke Palo Verde (Arizona), die zur Tochtergesellschaft PNM gehören. Palo Verde ist das größte Atomkraftwerk in den USA.

https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/blackstone-entscheidender-ferc-durchbruch/68597306

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Palo_Verde

Update 3

Die bekannte Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann schreibt in der taz vom 21. 2. 2026 in ihrem Artikel „Hype um Künstliche Intelligenz. Was, wenn die Blase platzt?“ über einen möglichen KI-Crash: „Investitionen in KI sind eine Wette mit offenem Ausgang. Trotzdem hätte ein Börsencrash noch ganz andere Folgen als die letzte US-Finanzkrise. (...) KI-Investitionen sind eine Zukunftswette, wie sie selten vorkommt. Denn es ist unklar, was diese Technik künftig leisten können wird. (...) Prognosen sind selbst für Experten schwierig.“

https://taz.de/Hype-um-Kuenstliche-Intelligenz/!6152728/

Update 4

Im ND stehen mehrere Artikel, in denen das Geschäftsgebaren Blackstones mit der Daseinsvorsorge kritisch unter die Lupe genommen wird: „Finanzinvestoren sind Vermögensverwalter und sogenannte Private Equity Firmen aus der Finanzbranche wie etwa Blackstone. Der Konzern verwaltet Gelder in der Größenordnung des niederländischen Bruttoinlandsprodukts. Das Geschäftsmodell der Private Equities: Sie kaufen Unternehmen auf, strukturieren sie und verkaufen sie in der Regel nach fünf bis sieben Jahren gewinnbringend weiter“.

Und zu CEO Stephen Schwarzman heißt es: „In den vergangenen Jahren investierte Blackstone laut eigenen Angaben in Europa vorrangig in Immobilien in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. 4907 Wohnungen besitzt die Investmentgesellschaft inzwischen hierzulande, 3986 davon in Berlin. Schwarzman verdient innerhalb von 20 Minuten ein durchschnittliches deutsches Jahreseinkommen“.

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1182591.rendite-mit-miete-speed-dating-der-renditehaie.html

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1191633.konferenz-superreturn-schoener-tag-fuer-finanzinvestoren.html?sstr=blackstone

Update 5

Die überparteiliche Nichtregierungsorganisation Finanzwende hat recherchiert, dass die Pflege zu einem Milliardengeschäft geworden ist, bei dem die Private-Equity-Firma Blackstone mit zweifelhaften Methoden riesige Gewinne bei Kauf und Verkauf von Pflegeeinrichtungen abschöpft, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden:

https://www.youtube.com/watch?v=e0OR2ZXB7KY

https://www.finanzwende-recherche.de/unsere-themen/private-equity-investoren-in-der-pflege/