Aus: „Westfälischer Anzeiger“ (WA) vom 4. April 2026
Rechenzentrum in Hamm/Lippetal gegen die Interessen der Bevölkerung!
Der positiven Darstellung des geplanten Rechenzentrums in Hamm/Lippetal widerspreche ich. Der US-Konzern Blackstone mit seiner Unterfirma Quality Technology Services (QTS) agiert mit seinem Geschäftsgebaren weltweit gegen die Interessen der großen Mehrheit der Bevölkerung. Er schöpft auch in der BRD große Summen aus Kauf und Verkauf von zum Teil mit öffentlichen Geldern subventionierten Wohnungen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern ab. Beide Firmen unterhalten engste Beziehungen zum Trump-Regime, wobei Blackstones CEO Stephen A. Schwarzman mit einem Privatvermögen von 45 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt ist.
Im Rahmen der „America first“-Offensive arbeiten die QTS-Mitarbeiter, die teilweise direkt aus dem Militär rekrutiert werden, auf militärischer Ebene mit der US-Regierung und dem Kriegsministerium zusammen. Die bisher 75 QTS-Rechenzentren in den USA und Europa sind wie alle anderen US-Anlagenbetreiber per Gesetz (Cloud Act) verpflichtet, ihre gespeicherten Daten der US-Regierung zur Verfügung zu stellen. Der Zugang zu wichtiger Software oder Cloud-Diensten sowie Updates und Support könnte als politisches Druckmittel benutzt werden. Da die USA auf dem Weg zu einer Diktatur sind, stellt dies eine große Gefahr dar.
Ein von QTS geführtes Rechenzentrum in Hamm/Lippetal widerspricht den Bestrebungen der europäischen Regierungen, unabhängig von den USA eigene Rechenzentren-Strukturen aufzubauen und damit einer digitalen Souveränitat ohne Manipulationen und Einschränkungen von Außen näherzukommen. Der eng mit der US-Regierung zusammenarbeitende rechtsradikale Tech-Autokrat Peter Thiel mit seinem Überwachungskonzern Palantir und dem Rückgriff auf QTS-Rechenzentren zeigt deutlich, wohin die Reise geht: ICE-Greiftrupps in den USA arbeiten beim aufspüren, festnehmen und abschieben von Migranten mit diesem System.
Um Rechenzentren zu betreiben, wird sehr wenig Personal benötigt, aber dafür eine um so größere Menge an Energie, die schon jetzt vielfach fehlt. Hinzu kommt der Ruf nach besonders günstigen Energiepreisen für diese Sparte. Der im Fall Hamm/Lippstadt anvisierte Windparkbau in der Nordsee zur Deckung des enormen Energiebedarfs von 200 MW IT-Kapazität kann wie jetzt schon bei einigen anderen Fällen zu sehen ist, ins Stocken geraten. Diese Anlagen sind umstritten, ökologisch fragwürdig und wegen ihrer ausgesprochen Nichtdezentralität nicht wirklich nachhaltig. Sie und die mehrere hundert Kilometer langen Leitungen sind ebenso wie die Großrechner selbst in Krisenzeiten mögliche Ziele von Drohnenangriffen, die ganze Regionen und Wirtschaftszweige destabilisieren können, wie die aktuellen Angriffe Irans auf Rechenzentren in der Golfregion eindrucksvoll demonstrieren.
Aufgrund negativer Erfahrungen hat Trumps demokratischer Gegenspieler Bernie Sanders in den USA ein sofortiges Moratorium für den Ausbau von Rechenzentren und Schutzmassnahmen gefordert: „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie eine Handvoll milliardenschwerer Big-Tech-Oligarchen Entscheidungen treffen, die unsere Wirtschaft, unsere Demokratie und die Zukunft der Menschheit neu gestalten werden“. Während sich der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert als angestellter Mitarbeiter der Bürgerbewegung Finanzwende gegen die Praktiken von Blackstone engagiert, holt sein Parteikollege Marc Herter als Oberbürgermeister Blackstone nach Hamm/Lippetal.
Anmerkungen
Dieser Leserbrief bezieht sich auf den WA-Artikel vom 28. März 2026 „Keine Angst vor großen Projekten. Rechenzentrum ...“
Hier ist mein ausführlicher Aktikel mit zahlreichen aktuellen Updates und Quellenangaben einzusehen: „Hamm und Lippetal: Blackout beim Blackstone-Projekt? Großrechner ist eine Gefahr für die Demokratie und Frieden“
https://www.machtvonunten.de/component/content/category/21-lokales-aus-hamm.html?Itemid=221