Aus: "Westfälischer Anzeiger" (WA) vom 23. Juli 1982

Polemik gegen Bio-Anbau

Es stört mich an Anton Rombergs Leserbrief, dass er die Uninformiertheit der in der Mehrzahl städtischen Leser des WA einkalkuliert, um ein unkorrektes Bild über die Meinung "der" Bauern zu zeichnen. "Die Bauern", für die er meint sprechen zu müssen, haben durchaus unterschiedliche Meinungen zum Biolandbau. Dies kommt unter anderem in den zwölf Thesen der Westfälisch-Lippischen Landjugend (WLL) zum Ausdruck, in denen eine an klein- und mittelbäuerlichen Betrieben ausgerichtete, ökologisch fundierte Agrarpolitik gefordert wird.

WLL, Westfälisch-Lippische LandjugendObwohl diese Thesen bundesweit und im Ausland seit zwei Jahren stark beachtet worden sind, hat die landwirtschaftliche Presse in Westfalen sich bisher geweigert, diese zur Kenntnis zu nehmen.

Biolandbau und alternative Agrarpolitik werden seit Jahren auf Dutzenden von Veranstaltungen der Landjugend diskutiert und Anton Romberg, der ja als Podiumdiskutant schon mal mitdiskutiert, tut so, als ob alle Bauern nur seine Meinung unterstützen würden.

Warum sagt er nicht gleich offen, was bei ihm geschickt unterschwellig anklingt? – Nämlich, dass all diese Intellektuellen, Lehrer und Aussteiger seiner Meinung nach nicht ernstzunehmen sind? – Denn darauf läuft es ja bei ihm hinaus. Doch so direkt, wie es noch vor ein paar Jahren von dem Bauernverband gesagt wurde, geht es heute nicht mehr; es gibt ja subtilere Methoden.

Da wird der Lehrerberuf herbeizitiert, der angeblich erst Biolandwirtschaft möglich machen könne. Er verschweigt dabei, dass es heute Hunderte von Biohöfen ohne Lehrer gibt. Doch Herr Romberg hält sich nur zu gerne an diesem Detail auf, weil´s ja ins liebgewordene Weltbild passt!

Unsere Zukunft?Bei dem Hinweis auf die experimentierenden Forschungsanstalten und Versuchshöfe hat Herr Romberg nicht gesagt, was denn da experimentiert wird. Es sind fast alles "Experimente" im Rahmen des konventionellen Landbaus, also mit Gift und schädlichen Düngern. Als betroffener Landbaustudent kann ich nur sagen, dass an den Universitäten mit ihren Versuchsbetrieben in der Regel über Biolandbau polemisiert und nur in der Ausnahme informiert wird. Es gibt erst seit einem Jahr einen einzigen Lehrstuhl in der BRD für Biolandbau!

Der polemisch gemeinte Rat Rombergs, Theo Damberg möge in Zukunft beim Anbau von giftfreiem Gemüse (welches er sich seltsamerweise nur in Anführungszeichen vorstellen kann) mehr Stehvermögen beweisen, zeigt eine tiefe Verunsicherung der Vertreter des konventionellen Landbaus.

Die Ursachen für die polemischen Ausfälle gegen biologisch anbauende Kollegen liegen meiner Meinung nach in der bisherigen Entwicklung der Landwirtschaft selber. Die ursprünglich noch mit einem umfassenden Wissen über natürliche Kreisläufe und umweltschonende Landbaumethoden ausgestattete Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr in die Abhängigkeit der Chemieindustrie begeben. Jetzt empfinden viele Bauern die Kritik an diesen Folgen als unberechtigten Angriff und sind oft nicht mehr in der Lage, sich sachlich mit den dadurch entstandenen Problemen auseinanderzusetzen.

BauernblattAnmerkung

Dies ist meine Antwort auf den Leserbrief "Experimente für andere Landwirte zu teuer" von Anton Romberg in "Westfälischer Anzeiger" (WA) vom 30. 6. 1982.

Weitere Artikel zum Thema Landwirtschaft von mir:

"Agraropposition in der BRD" (1983)

https://www.machtvonunten.de/landwirtschaft/139-agraropposition-in-der-brd.html

"Landwirtschaft: Wie soll es weitergehen?" (1982)

https://www.machtvonunten.de/landwirtschaft/157-landwirtschaft-wie-soll-es-weitergehen.html

"Ernährung und Landwirtschaft in der BRD" (1981)

https://www.machtvonunten.de/landwirtschaft/291-ernaehrung-und-landwirtschaft-in-der-bundesrepublik-deutschland.html

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