Aus: "Westfälischer Anzeiger" (WA) vom 7. Juli 2006

Sommer-THeaTeR

Kaum ist der 20. Tschernobyl-Jahrestag – an dem der tödlichen Folgen dieser Nuklearkatastrophe gedacht wurde – verstrichen, prescht NRW-Forschungsminister Pinkwart zum zweiten Mal in diesem Jahr mit dem Vorschlag vor, die Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR)-Technologie in NRW verstärkt zu beleben. Wegen zahlloser Störfälle mussten die bisher gebauten HTR-Nuklearanlagen 1988 in Jülich und 1989 in Hamm stillgelegt werden.

Atomprotest, Foto: Horst BlumeIn Hamm kostet allein der "Stilllegungsbetrieb" des THTR auch jetzt noch jedes Jahr 5,6 Millionen Euro und der radioaktive Atommüll belastet die Regionen in Gorleben, Morsleben und Ahaus. Die Abbaukosten des 20 mal kleineren HTR-Forschungsreaktors in Jülich haben sich auf mindestens 400 Millionen Euro erhöht! Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sprach bereits 2002 von einem "desolaten Projektverlauf", der vom Steuerzahler und nicht etwa von der Atomindustrie bezahlt werden muss.

Den radioaktiven Müll bringen die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) in das Zwischenlager nach Lubmin, was nur ein paar Kilometer südlich der Insel Rügen liegt. Die Ostsee-Zeitung titelte ganzseitig am 22. Juni 2006: "Furcht vor dem touristischen Super-GAU". Wer will hier noch Ferien machen?

Seit Jahren schon wird in NRW – teilweise geschickt getarnt über EU-Fördergelder – für Dutzende von Millionen Euro an der Weiterentwicklung der HTR-Linie geforscht. Pinkwart ist das Tempo, mit dem in NRW das Geld für eine risikoreiche Pleitetechnologie zum Fenster herausgeschmissen wird, noch nicht hoch genug. Dieser habilitierte Chaostheoretiker hat sich mit seinem kalkulierten Sommer-TheaTeR zu Beginn der Ferien offensichtlich immer noch nicht genug blamiert. Weitere Eskapaden sind leider zu erwarten.

"Kein Hochtemperatur-Reaktor vor unserer Haustür"Anmerkung

Dies ist meine Reaktion auf den Artikel "Kernreaktor für NRW?" vom 26. Juni 2006 in "Westfälischer Anzeiger" (WA).

Weitere Infos:

"Im Schatten von G8 ... wird Atommüll nach Lubmin gebracht" (aus: "Graswurzelrevolution" Nr. 319, Mai 2007):

https://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/365-im-schatten-von-g-8-wird-atommuell-nach-lubmin-gebracht.html

"Rückbau nuklearer Forschungsanlagen und Atommüll kosten Milliarden!" (aus "FugE-News" Nr 2, 2010):

https://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/301-rueckbau-nuklearer-forschungsanlagen-und-atommuell-kosten-milliarden.html

 

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