Aus: Westfälische Rundschau (WAZ-WR) vom 27. 7. 1977

Grüne Ringanlagen in Hamm durch Straßenbau bedroht

In letzter Zeit muss der Bürger immer wieder mitansehen, wie er und seine Umgebung den vielfältigsten Belastungen ausgesetzt wird:

Durch Schadstoffabgaben großer Industrieanlagen wird die Gesundheit von Menschen gefährdet; eine durch schlechte Verkehrsplanung hervorgerufene Lärmbelästigung mindert die Wohnqualität und macht viele Menschen krank (z. B. Hamm); Wälder und Naturschutzgebiete werden zerstört (z. B. in der Haard); Atomkraftwerke werden gebaut, obwohl von namhaften Wissenschaftlern bewiesen worden ist, dass sie immens gefährlich sind (z. B. in Uentrop/Schmehausen); Atomkraftwerke ziehen laut Landesentwicklungsplan 6 Schmutzindustrie nach sich, die die Umwelt noch zusätzlich belasten (z. B. im Gebiet zwischen Hamm, Lippstadt und Welver); Grünflächen in der Innenstadt sollen zu Verkehrsstraßen werden (z. B. Ringanlagen) ...

Baum ab? - Nein Danke! In diesen Fällen bedrohen immer wieder Politiker, Verwaltungsbürokraten und kapitalkräftige Gruppen die Belange der Umwelt und der Bevölkerung. Wenn sich in dieser Stadt Bürger zusammentun, um sich gegen den Willkürakt, der ihnen durch die Vernichtung von wertvollen Grünflächen angetan wird, zur Wehr setzen, sehe ich darin nichts schlimmes. Im Gegenteil: Hier zeigt sich, dass die Bürger nicht mehr bereit sind, alles was von oben kommt, hinzunehmen.

Die Befürchtung der Jusos, die Bürgerinitiative zur Erhaltung der Ringanlagen hätte sich nur aus egoistischen Motiven heraus begründet, kann ich nicht zustimmen. Wer sich gegen das Bäumefällen vor seiner Haustür wehrt, wird sich wohl auch gegen diese Maßnahme in anderen Gebieten aussprechen - wenn nicht, wäre das allerdings fatal.

Doch noch ist der Beweis hierfür nicht erbracht. Und die Aktiven der Ringschützer haben es in der Hand zu beweisen, dass sie nicht nur ihr eigenes Interesse wahrnehmen, sondern sich auch für den Schutz der gesamten Umwelt einsetzen. Im Übrigen wäre es ein großer Fortschritt, wenn sich alle Bürger wirklich darum kümmern würden, was vor ihrer Haustür geschieht. Manchem verhängnisvollen Plan würde dann rechtzeitig Einhalt geboten werden.

Anmerkung

Dieser Leserbrief stand ebenfalls im Westfälichen Anzeiger (WA) am 28. 7. 1977. Allerdings wurde er gekürzt.

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