Aus: "Graswurzelrevolution", Nr. 319, Mai 2007, No-G8-Beilage

Im Schatten von G 8 ... wird Atommüll nach Lubmin gebracht

Nur ein paar Dutzend Kilometer hinter dem Heiligen Damm verschwinden auf wundersame Weise still und leise die besonders problematischen Hinterlassenschaften der Nuklearindustrie. Ursprünglich sollten in Lubmin nur die sechs stillgelegten Reaktorblöcke von dem benachbarten Greifswald und Rheinsberg "entsorgt" und verarbeitet werden.

Bislang bestand eine Lagerungsgenehmigung für radioaktiv verseuchte Teile für nur zwei Jahre. Doch nach einer Gerichtsentscheidung von 2006 können hier sogar Großteile bis zu 10 Jahre von den Energiewerken Nord (EWN) gelagert werden. Und zwar nicht nur aus den nahegelegenen alten DDR-Reaktoren, sondern auch von Obrigheim, Stade oder Mühlheim-Kärlich.

Stop AtomkraftZur Zeit lassen die EWN einen besonders prekären Nukleardino verschwinden. An dem Abbau des mit nur 15 MW Leistung verhältnismäßig kleinen Versuchs-Hochtemperaturraktors in Jülich haben sich die bisherigen Betreiber die Zähne ausgebissen. Nun müssen die EWN in Jülich eine 2.400 Tonnen schwere Materialschleuse um den Reaktor herumbauen, um mit dem Rückbau beginnen zu können. Das Desaster kostet fast eine halbe Milliarde Euro!

Auch auf internationalem Parkett spielen die EWN Nuklearfeuerwehr. Die 120 stillgelegenten Atom-U-Boote der russischen Marine in Murmansk müssen entsorgt werden. Die Stilllegungsplanung und das Projektmanagement von den Tschernobylblöcken 1 bis 3 in der Ukraine, der beiden Blöcke vom AKW Ignalina in Litauen und von den Blöcken in Kozloduy in Bulgarien gehören beispielsweise zu den Aufgaben der ehrgeizigen Lubliner Firma.

So mancher Tourismus-Manager macht sich inzwischen Sorgen, wie ein riesiges Atommülllager mit der laut Eigenwerbung zur Zeit weltweit "einzigen" Konditionierungsanlage diesen Formats bei den potentiellen Touristen der Ostseebäder und auf Rügen aufgenommen werden. Die Ostsee-Zeitung titelte am 22. 6. 2006 ganzseitig: "Furcht vor dem touristischen Super-Gau" - von der nuklearen Gefahr einmal ganz zu schweigen.

Bei dem Genehmigungsverfahren gaben die EWN schlitzohrig für die Lagerung der Atommüllbehälter weitaus größere Sicherheitsabstände an, als vorgeschrieben war. Nach einer nachträglichen "Korrektur" der Abstände auf das Mindesmaß entstand Platz für große Mengen von zusätzlichem Müll.

Die vollzogene Erweiterung der Anlage stellt den Einstieg in die industrielle Nutzung einer kerntechnischen Großanlage dar. Statt bisher 6.700 Tonnen radioaktiver Stoffe können jetzt 15.000 Tonnen gelagert werden. Das Werk dient der Legitimation und dem Weiterbetrieb von Atomkraftwerken, weil mit seinem Betrieb eine "Entsorgungssicherheit" vorgegaukelt wird, die in der Realität nicht existiert. In dieser Hinsicht passt diese "Lass-es-still-verschwinden-Firma" hervorragend zum offiziellen Thema "Energieeffizienz und Klimaschutz" des in der Nachbarschaft stattfindenden G8-Gipfels.

Anmerkung

Hier ist die Aktionszeitung der "Graswurzelrevolution" zu den G 8 – Protesten im Jahr 2007 einsehbar:

https://www.graswurzel.net/gwr/2007/05/download-aktionszeitung-als-pdf/

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