Aus: "BUZ – Bonner Umwelt Zeitung" Nr. 3, 2004

Atomkraft aus Jülich für die ganze Welt!

Wenn am 27. Juni 2004 das Forschungszentrum Jülich (FZJ) zum Tag der offenen Tür einlädt, wird mit ziemlicher Sicherheit über ein Thema Stillschweigen gewahrt: An dem seit den 60er Jahren hier entwickelten Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) wird auch heute nicht nur weitergeforscht, sondern dieses Know-how wird sogar in alle Welt offensiv exportiert.

Bonner Umwelt ZeitungNach der spektakulären Stilllegung des Störfallreaktors THTR in Hamm im Jahre 1989 wurden in diesem größten interdisziplinären Forschungszentrum Europas bis heute trotzdem weit über 70 verschiedene Forschungsarbeiten zur Weiterentwicklung der HTR-Linie ausgeführt. Und das in einem Institut, das zu 90 Prozent dem Bund und zu 10 Prozent dem Land NRW gehört, wo seit vielen Jahren rot-grüne Koalitionen angeblich aus der Atomenergie aussteigen wollen!

Mit aktiver Jülicher Hilfe wurde in Japan im Jahre 1998 ein Hochtemperaturreaktor kritisch und im Jahre 2000 in Peking ebenfalls. Seit mehreren Jahren wird mit ausdrücklicher Unterstützung der Forschungsministerien im Land und im Bund an dem Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) - ebenfalls ein HTR - für Kapstadt in Südafrika gearbeitet. Das Bundesforschungsministerium mit Sitz in Bonn bekräftigte auf Nachfragen der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm erneut diese Position, da Atomtechnik aus Deutschland Atomkraftwerke im Ausland nur sicherer machen könnten, also positiv zu sehen wäre!

Vor einigen Jahren begannen in den USA die Vorbereitungen für den Aufbau einer neuen angeblich katastrophenfreien Reaktorlinie, mit der die US-Regierung ihre Offensive für den Bau einer großen Anzahl neuer Atomkraftwerke gegenüber Kritikern rechtfertigen will. Die europäischen Atomkonzerne wollen die in Jülich entwickelte HTR-Linie zum Hauptbestandteil dieser "Generation IV" machen und haben von der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbemerkt im Haushalt des 5. EU-Rahmenprogramms allein im Jahre 2001 für die HTR-Weiterentwicklung 17 Millionen Euro ausgegeben. Wovon Jülich natürlich ebenfalls profitiert hat.

Seit dem Jahr 2000 arbeitet mit dem HTR-Technology Network (HTR-NT) eine weltweit Organisierte Atomlobby mit großen internationalen Konferenzen in Brüssel, Peking, Moskau und den Niederlanden an der Renaissance einer Reaktorlinie, die im nordrhein-westfälischen Hamm-Uentrop aufgrund zahlloser Pannen und Störfälle kläglich gescheitert ist.

Wieviel im europäischen Rahmen für diese Reaktorlinie insgesamt ausgegeben wurde und wird, ist zurzeit Inhalt mehrerer parlamentarischer Anfragen im Europaparlament an die jeweilig zuständigen Forschungsministerien in Bonn und Düsseldorf.

Obwohl sich in Jülich Minister, Staatssekretäre und Abgeordnete wöchentlich die Klinke in die Hand geben, um an parlamentarischen Abenden, Arbeitskreisen, Fachtagungen und Podiumsdiskussionen teilzunehmen, ist über die finanzielle Atomkraftförderung bisher äußerst wenig in Erfahrung zu bringen. Man spricht nicht gerne hierüber. Es ist ein Skandal, dass die rot-grünen Regierungen bisher absolut nichts gegen die HTR-Atomforschung unternommen haben!

Anmerkung

Diese Ausgabe der "Bonner Umweltzeitung" erschien in einer Auflage von 7.000 Exemplaren. Hier ist die Hompage einsehbar: http://www.oez-bonn.de/index.php/buz

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