Originalbeitrag, Mitte Februar 2026
Hamm und Lippetal: Blackout beim Blackstone-Projekt?
Großrechner ist eine Gefahr für die Demokratie und Frieden
(16 Updates unten!) In Lippetal, etwa 1,5 Kilometer vom THTR in Hamm entfernt, soll nach dem Willen von Hammer und Lippetaler Kommunalpolitikern von dem US-Konzern Blackstone für mindestens vier Milliarden Euro ein riesiges Rechenzentrum auf 27 Hektar Fläche in der Lippeaue gebaut werden (1). Jenseits wichtiger ökologischen Themen wie Flächenversiegelung und die anvisierte Energieversorgung mit angeblich grünem Wasserstoff aus weiter Ferne, wirft dieses geplante Projekt noch weitreichendere Fragen auf.
Die Blackstone Group (2) ist eine US-amerikanische Investmentgesellschaft, die zum ersten mal 2005 in der BRD im Rahmen der „Heuschreckendebatte“ (3) stärker beachtet wurde. Es handelt sich hierbei um ein Risikokapitalunternehmen, das weltweit agiert und auch in der BRD kräftig mitmischt. Zum Beispiel im Immobiliengeschäft mit einem Vermögen von 17 Milliarden Euro (4). Es beschäftigt hier über 7000 MitarbeiterInnen in seinen Portfoliounternehmungen (5).
Blackstone-CEO ist Berater und Sponsor von Trump
Die in Hamm/Lippetal tätig gewordene Firma Quality Technology Services (QTS) ist seit 2021 Bestandteil von Blackstone. QTS betreibt 75 Rechenzentren in den USA und Europa, ist auf Expansionskurs und unterhält enge Verbindungen zur US-Regierung, die sich während der zweiten Amtszeit von Präsident Trump weiter intensiviert haben. Blackstones CEO Stephen Schwarzman (6) ist mit einem Privatvermögen von 35 Milliarden Dollar ausgestattet und ein enger Berater und Finanzier von Trump (7).
QTS ist eng mit dem US-Kriegsministerium verflochten
Quality Technology Services (QTS) Data Centers hat intensive Verbindungen zur Trump-Regierung insbesondere durch ihre Rolle als Anbieter von Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) und Cloud-Dienste im Rahmen der "America First"-Offensive.
Ein Teil des „Federal Assurance“-Teams von QTS besteht aus ehemaligen Sicherheitsexperten der Regierung. Über 21% der QTS-Mitarbeiter haben einen militärischen Hintergrund (8), an anderer Stelle werden 35 % genannt.
QTS schrieb am 8. 11. 2023: „Anlässlich des Veteranentags im November unterstreicht QTS Data Centers sein kontinuierliches Engagement für Veteranen und aktive Militärangehörige im ganzen Land, von ehemaligen Militärangehörigen, die im Unternehmen arbeiten, bis hin zu Outreach-Kampagnen für diejenigen, die noch im Dienst sind. Das Unternehmen hat eine tiefe Wertschätzung für die Opfer des Militärs in seine Unternehmenskultur integriert (...) Die Arbeit des Unternehmens wurde kürzlich von VIQTORY gewürdigt, das QTS mit dem Military Friendly® Employer – Silver Award auszeichnete. Diese Auszeichnung ist der Maßstab, an dem das Engagement, die Bemühungen und der Erfolg einer Organisation gemessen werden, nachhaltige und sinnvolle Vorteile für die Militärgemeinschaft zu schaffen. QTS wurde bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet. “ (9).
Die „Federal-only Campuses“ von Quality Technology Services (QTS) arbeiten auf militärischer Ebene mit der US-Regierung und dem Kriegsministerium zusammen, indem sie spezielle hochsichere Rechenzentren zur Verfügung stellen, die physische und cyber-technische Verteidigung miteinander kombinieren und unabhängige Bereiche hierfür innerhalb der Rechenzentren einrichten (10).
QTS und Palantir – zwei Seiten einer ICE-Medaille
Zum technologischen Netzwerk, das von der neuen Trump-Regierung stark durch Exekutivanordnungen gefördert wird, gehört neben QTS auch der Überwachungskonzern Palantir (11). Die gemeinsame Zusammenarbeit als Dienstleister für die US-Regierung wurde intensiviert. QTS stellt die Rechenzentren bereit, Palantir arbeitet damit.
Auf diese Weise wird in den USA eine Software eingesetzt, um Migranten zu identifizieren, zu verfolgen und abzuschieben. Sie wird von der berüchtigten Terrortruppe ICE genutzt. Diese neue Datenverarbeitung ist eine Abkehr von langsam arbeitenden isolierten Datensilos hin zu einer modernen Cloud-Infrastruktur, die KI-gestützte Analysen und Echtzeit-Datenaustausch ermöglicht: „ICE steht kurz vor der Einführung einer neuen Technologie, mit der sich die Zeit für die Eingabe der Daten jedes einzelnen Häftlings von durchschnittlich 45 Minuten auf knapp 30 Sekunden reduzieren lässt, so Goetz. „Das sind 45 Minuten, in denen man sitzt und die Daten aus einer Anwendung in die nächste Anwendung eingibt, und mit jeder Minute, in der sie nicht wieder auf der Straße sind, geht Zeit verloren, die man für die Festnahme der nächsten Person nutzen könnte ...“ (12).
Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ machte in einem Bericht darauf aufmerksam, dass sich Mitglieder der ICE-Truppe bei den Olmpischen Spielen in Italien und unabhängig davon in Wien aufhalten (13).
Da in der BRD und auch hier in NRW die Polizei die umstrittene Palantir-Anwendung „Gotham“ (siehe Anmerkung 11) benutzt, können sich durch den QTS-Großrechner bei Hamm echte „Synergieeffekte“ ergeben. Allerdings ist es fraglich, ob dies mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vereinbar wäre.
Palantir reagiert auf Nachforschungen und Kritik ausgesprochen gereizt. Der Großkonzern geht momentan „presserechtlich gegen das Schweizer Magazin „Republik“ vor. Das hatte in Recherchen nachgezeichnet, warum die Systeme des Unternehmens problematisch für Staaten und deren Souveränität sind“ (14).
Der autoritäre Hightech-Komplex
US-Vizepräsident JD Vance, Zögling von Peter Thiel (15), der aus seiner Verachtung für die Demokratie kein Geheimnis macht, setzt sich sehr für die Deregulierung der Tech-Infrastruktur ein, um rücksichtslos eigene politische Ziele zu verfolgen und diese Technologien tief im US-Staatsapparat zu verankern. Die Folge sind eine schnelle Genehmigung von QTS-Rechenzentren und keine Hürden bei der Datenzusammenführung bei Palantir.
Die US-Regierung fühlt sich an keinerlei Gesetze mehr gebunden und die USA gleiten in eine Diktatur ab. Dies stellt eine große Gefahr für Europa dar, wenn Firmen wie QTS und Blackstone hier agieren können. Sie würden zu Vollzugsgehilfen eines demokratiefeindlich gesonnenen Machtgebildes und würden die komplexeste Herausforderung für eine demokratische Regierungsform im digitalen Zeitalter darstellen.
Die rechtsradikalen Tech-Milliardäre sind dabei, eine facettenreiche Konstruktion aus Cloud-Plattformen, KI-Einsatz, Finanzinstrumenten und Satellitensystemen als Machtmittel und Überwachungsinstrument zu installieren. Mit diesen Komponenten entziehen sie sich jeder öffentlichen Aufsicht und binden im Gegenteil Regierungen in ihre eigenen privatwirtschaftlichen Strukturen ein. Ist ein „Kunde“ erstmal in die Falle getappt, kann er nicht mehr woandershin wechseln, ist auf ständige Updates angewiesen und die Tech-Unternehmen haben auf diese Weise eine überragende Machtposition erobert. Diese weitere Abhängigkeit schränkt die politische Selbstständigkeit von Staaten ein und setzt innerhalb der neuen Infrastruktur eine antidemokratische Logik durch.
Le Monde Diplomatique resümiert: „Die Techno-Autokraten wissen, dass man, um Macht auszuüben, keine Wahlen gewinnen muss – sondern nur Verträge abschließen. Das aber heißt: Mit jedem staatlichen Beschaffungsprogramm wird die demokratische Wahlmöglichkeit eingeengt, bis die Wahl als solche auf technischer Ebene durch eine Infrastruktur eingeschränkt wird, die im Interesse der Investoren und nicht für die Bürgerinnen und Bürger errichtet wurde“ (16).
Diese Anlage führt zu zusätzlichen Sicherheitsproblemen
Es wird seit vielen Jahren immer wieder betont, dass es wichtig sei, in Europa eine eigene digitale Souveränität herzustellen, um nicht von anderer Stelle unter Druck gesetzt und ausspioniert zu werden. Das neue Rechenzentrum in Lippetal/Hamm würde diese Bemühungen, fänden sie denn endlich statt, konterkarieren. Es ist also auf dem Instanzenweg zu klären und zu fragen, ob dieses geplante Rechenzentrum den Interessen der BRD und der EU, in einem sicheren und demokratischen Gemeinwesen zu leben, zuwiderläuft.
Da das geplante Rechenzentrum von dem eng mit dem US-Kriegsministerium zusammenarbeitenden QTS-Konzern betrieben wird, ist es naheliegend, dass dieser Standort bei militärischen und politischen Spannungen in das Visier von anderen Staaten, zum Beispiel Russland, geraten würde. Hinzu kommt noch, dass in nur 1,5 Kilometer Entfernung im THTR noch 1,5 Kilogramm hochradioaktives Material lagert. Darunter auch Plutonium. Es dürfte klar sein, dass ein solcher militärisch relevanter Großrechner von Sicherheitskräften nicht nur aufwändig bewacht und kontrolliert werden muss, sondern ebenfalls die Abwehr von Drohnen eine Rolle spielt.
Es ist schon erstaunlich, dass der „Deal“ mit Blackstone von Seiten der Kommunalpolitik in Hamm und Lippetal so euphorisch und unkritisch gesehen, ja, von ihr selbst mit in die Wege geleitet wurde. Haben diese Akteure tatsächlich nicht gemerkt, dass sich in vielen Teilen der Welt eine neue autoritär ausgerichteten Weltordnung etabliert hat und dass sie von erwiesenermaßen skrupellos agierenden Techkonzernen und einer rechtsradikalen, demokratiefeindlichen US-Regierung für ihre Ziele nur benutzt werden?
Vor zwei Jahren, als die Verhandlungen mit Blackstone und QTS begannen, war noch nicht vollständig absehbar, das Trump Präsident der USA werden würde und mit welcher Geschwindigkeit und Intensität sich die diktatorischen Tendenzen zum Schlimmeren entwickeln würden. Noch besteht die Möglichkeit, den „Deal“ zu hinterfragen und zu stoppen.
(Updates befinden sich unten!)

Anmerkungen
(2) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Blackstone_Group
(3) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Heuschreckendebatte
(5) Siehe:
https://www.dfpa.info/investmentfonds-news/blackstone-baut-praesenz-in-deutschland-aus.html#:~:text=Blackstone%20ist%20seit%20mehr%20als%20zwei%20Jahrzehnten,als%2017%20Milliarden%20Euro%20in%20Deutschland%20beteiligt
(6) Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_A._Schwarzman
(8) Siehe: https://qtsdatacenters.com/news/qts-awarded-for-championing-veterans-and-military-servicemembers/
(9) Siehe Anmerkung 8
(10) Siehe: https://qtsdatacenters.com/resources/honoring-our-nations-heroes-the-qts-freedom-wall/
(11) Siehe: https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/august/das-ueberwachungsimperium
(13) Siehe: https://www.derstandard.de/story/3000000307896/was-machen-ice-beamte-in-oesterreich-und-generell-im-ausland
(14) Siehe: https://netzpolitik.org/2026/david-gegen-goliath-ueberwachungskonzern-palantir-verklagt-die-republik/
(15) Siehe Anmerkung 11
(16) Siehe: https://monde-diplomatique.de/artikel/!6113232
Hier noch eine Leseempfehlung aus der aktuellen Ausgabe 2/2026 der "Blätter": "Toxische Tech-Abhängigkeit. Der steinige Weg zur digitalen Souveränität":
https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/februar/toxische-tech-abhaengigkeit
Update 1
Blackstone CEO Stephen A. Schwarzman unterstützt finanziell über eine Stiftung den umstrittenen und stark kritisierten Abriss von Teilen des Weißen Hauses in Washington, um den von Trump gewollten 8.360 Qadratmeter großen „Ballsaal“ mit einer Kapazität von 1.350 Personen zu bauen. Es wurde ohne Abrissgenehmigung bereits mit dem Bau begonnen. Die Kosten belaufen nach unterschiedlichen Angaben zwischen 250 bis 400 Millionen Dollar.
https://de.wikipedia.org/wiki/White_House_State_Ballroom
Update 2
Für 11,5 Milliarden Dollar übernimmt Blackstone im Februar den Energieversorger TXNM und damit die drei Reaktorblöcke Palo Verde (Arizona), die zur Tochtergesellschaft PNM gehören. Palo Verde ist das größte Atomkraftwerk in den USA.
https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/blackstone-entscheidender-ferc-durchbruch/68597306
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Palo_Verde
Update 3
Die bekannte Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann schreibt in der taz vom 21. 2. 2026 in ihrem Artikel „Hype um Künstliche Intelligenz. Was, wenn die Blase platzt?“ über einen möglichen KI-Crash: „Investitionen in KI sind eine Wette mit offenem Ausgang. Trotzdem hätte ein Börsencrash noch ganz andere Folgen als die letzte US-Finanzkrise. (...) KI-Investitionen sind eine Zukunftswette, wie sie selten vorkommt. Denn es ist unklar, was diese Technik künftig leisten können wird. (...) Prognosen sind selbst für Experten schwierig.“
https://taz.de/Hype-um-Kuenstliche-Intelligenz/!6152728/
Update 4
Im ND stehen mehrere Artikel, in denen das Geschäftsgebaren Blackstones mit der Daseinsvorsorge kritisch unter die Lupe genommen wird: „Finanzinvestoren sind Vermögensverwalter und sogenannte Private Equity Firmen aus der Finanzbranche wie etwa Blackstone. Der Konzern verwaltet Gelder in der Größenordnung des niederländischen Bruttoinlandsprodukts. Das Geschäftsmodell der Private Equities: Sie kaufen Unternehmen auf, strukturieren sie und verkaufen sie in der Regel nach fünf bis sieben Jahren gewinnbringend weiter“.
Und zu CEO Stephen Schwarzman heißt es: „In den vergangenen Jahren investierte Blackstone laut eigenen Angaben in Europa vorrangig in Immobilien in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. 4907 Wohnungen besitzt die Investmentgesellschaft inzwischen hierzulande, 3986 davon in Berlin. Schwarzman verdient innerhalb von 20 Minuten ein durchschnittliches deutsches Jahreseinkommen“.
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1182591.rendite-mit-miete-speed-dating-der-renditehaie.html
Update 5
Die überparteiliche Nichtregierungsorganisation Finanzwende hat recherchiert, dass die Pflege zu einem Milliardengeschäft geworden ist, bei dem die Private-Equity-Firma Blackstone mit zweifelhaften Methoden riesige Gewinne bei Kauf und Verkauf von Pflegeeinrichtungen abschöpft, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden:
https://www.youtube.com/watch?v=e0OR2ZXB7KY
https://www.finanzwende-recherche.de/unsere-themen/private-equity-investoren-in-der-pflege/
Update 6
Die Blackstone-Aktie befindet sich seit dem 22. 1. 2026 in einem langfristigen Abwärtstrend und hat innerhalb von 12 Monaten um 31,94% an Wert verloren. Blackstone sah sich im ersten Quartal 2026 mit Rückgabeforderungen von Krediten in Rekordhöhe (7,9 % des Fondsvolumens) konfrontiert, was die Liquidität dieser Fonds arg strapaziert und das Vertrauen von Anlegern in Blackstone untergräbt. Die „Finanznachrichten“ stellen fest, dass sich die Stimmung auf den Finanzmärkten grundlegend gedreht hätte und Tech- und KI-Werte zunehmend mit Volatilität (starke und schnelle Kursschwankungen) und Bewertungsrisiken zu kämpfen haben. Die Erschütterungen im US-Finanzsektor nehmen an Intensität zu (siehe auch Update 3).
https://www.boerse.de/nachrichten/Blackstone-Aktie-mit-neuem-12-Monats-Tief/38165557
https://www.kapitalmarktexperten.de/blackstone-aktie-ki-wette-gegen-liquiditaetsdruck/
Update 7
Bei dem Vertrag zwischen Industriegebiet Westfalen GmbH und Blackstone wurde für die zu erwerbenden Grundstücke ein „Kaufvertrag mit aufschiebender Wirkung“ abgeschlossen. Das heißt, er wird erst wirksam, wenn bestimmte, festgelegte Bedingungen erfüllt sind. Das kann die Zahlung des Kaufpreises durch Blackstone und die Erteilung einer Baugenehmigung durch die zuständigen Behörden sein. Oder beispielsweise die Sicherstellung einer kontinuierlichen Energieversorgung. Während früher Leistungsdichten von 5 bis 10 kW pro Rechenzentrum üblich waren, sind in Lippetal/Hamm 200 MW geplant, was extrem viel ist und worüber in Zukunft noch zu sprechen sein wird. Fazit: Wenn bestimmte Bedingungen nicht erfüllt werden, könnte der „Deal“ scheitern bzw. verhindert werden.
Update 8
Bernie Sanders und Ocasio-Cortez bringen neue Gesetze ein, die ein Bundesmoratorium in den USA für den Bau von KI-Rechenzentren verhängen sollen. Im „Rolling Stone“ vom 25. 3. 2026 heißt es: „Wir können nicht tatenlos zusehen, wie eine Handvoll milliardenschwerer Big-Tech-Oligarchen Entscheidungen treffen, die unsere Wirtschaft, unsere Demokratie und die Zukunft der Menschheit neu gestalten werden. Wir brauchen eine ernsthafte öffentliche Debatte und demokratische Kontrolle über diese folgenreiche Frage.“ Die Gesetzgebung zielt darauf ab, die Entwicklung von KI zu verlangsamen und dem Kongress die Möglichkeit zu geben, mit einer angemessenen Regulierung aufzuholen. Sanders fordert ein sofortiges bundesweites Moratorium für KI-Rechenzentren, bis nationale Schutzmaßnahmen vorhanden sind, die sicherstellen, dass KI sicher und effektiv ist und weder „Gesundheit, Privatsphäre, Bürgerrechte noch die Zukunft der Menschheit“ gefährdet. (...) Dabei thematisierte er auch die Umweltfolgen von KI und erläuterte, wie KI riesige Rechenzentren erfordert, die enorme Mengen an Strom und Wasser verbrauchen.“
https://www.rollingstone.de/bernie-sanders-aoc-ki-rechenzentren-moratorium-3123203/
Update 9
Beim Golfkrieg wird die digitale Infrastruktur mit ihren Rechenzentren (Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate) zum Ziel von Drohnen aus dem Iran: „Dass Krieg aber gezielt Rechenzentren angreift, die Zehntausende von Unternehmensanwendungen, Banksystemen und staatlichen Diensten beherbergen, ist ein Paradigmenwechsel von historischer Tragweite. Genau das geschah in der Golfregion, als iranische Drohnen drei AWS-Anlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain angriffen und dabei strukturelle Schäden, Stromausfälle und Feuerlöschmaßnahmen verursachten, die zu zusätzlichen Wasserschäden führten. Amazon Web Services empfahl daraufhin seinen Kunden, ihre Workloads in andere Regionen zu verlagern, und warnte ausdrücklich, dass die Wiederherstellung der Infrastruktur ein „langwieriges Ereignis“ sein könne – eine nüchterne Formulierung für das, was in der Praxis den Totalausfall zentraler digitaler Dienste bedeutete“.
https://xpert.digital/tech-boom-resilienz/
Update 10
Die großen Rechenzentren, die aktuell für den Betrieb von KI-Systemen gebaut werden, können ihre Umgebung merklich aufheizen, stellten Forscher an der Universität Cambridge bei der Auswertung von Satellitendaten zur Oberflächentemperatur fest. Die so entstehenden Wärmeinseln können sich zukünftig auf das Leben von Millionen Menschen auswirken. Bereits wenige Monate nach Inbetriebnahme eines Rechenzentrums steigt die Temperatur der umliegenden Landoberfläche von zehn Kilometern im Schnitt um etwa 2 Grad Celsius - und oft auch deutlich mehr.
https://t3n.de/news/ki-rechenzentren-waerme-umgebung-1736542/
Update 11
KI-Boom stockt: Bei fast der Hälfte der für 2026 geplanten US-Rechenzentren erfolgt der Bau verspätet. Aktuelle Berichte zeigen die erwartbaren Probleme bei der Umsetzung allzu ambitionierter Ziele. Gerade elektrische Bauteile sind ein Problem und offenbaren starke Abhängigkeit von China“, schreibt „Der Standard“ am 3. April 2026. Und weiter: „Vielmehr sind es simple elektrische Komponenten wie Transformatoren, Akkus oder Schaltanlagen, die die US-Firmen nicht in ausreichendem Maß sichern können. (...) Vor allem aber haben sich durch die große Nachfrage die Lieferzeiten mittlerweile auf bis zu fünf Jahre ausgedehnt – üblich waren früher 24 bis 30 Monate.“
Update 12
Am 5. April 2026 wurde ein Leserbrief von mir in „Westfälischer Anzeiger“ (WA) abgedruckt, der sich auf einen Artikel über den geplanten Großrechner in Hamm/Lippetal bezieht: „Rechenzentrum in Hamm/Lippetal gegen die Interessen der Bevölkerung!
(...) Während sich der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert als angestellter Mitarbeiter der Bürgerbewegung Finanzwende gegen die Praktiken von Blackstone engagiert, holt sein Parteikollege Marc Herter als Oberbürgermeister Blackstone nach Hamm/Lippetal.“
Update 13
Der riesige Strombedarf für Großrechner und ihre teilweise extrem schwankende Auslastung stellen große Herausforderungen dar. Der Kiel Policy Brief warnt vor einer irrigen Annahme, die in den EU-Konzepten steckt: Die Nachfrage aller anderen Sektoren bleibt weitgehend unverändert. „Die Analyse zeigt, dass die geplanten Rechenzentren bis 2030 voraussichtlich zwischen 98,5 TWh und 168 TWh Strom verbrauchen werden. Das ist etwa so viel wie der gesamte Strombedarf Polens im Jahr 2024 und bis zu 5 % des gesamten EU-Verbrauchs. Der Anteil des gesamten EU-Strombedarfs, der auf Rechenzentren entfällt, werde daher rasch von rund 2 % im Jahr 2023 auf rund 5 % im Jahr 2030 ansteigen, so das Institut.“ Die ad-hoc-news schreiben: „Die volatile Nachfrage der KI stellt eine einzigartige Herausforderung für die Stabilität der Stromnetze dar. Im Gegensatz zu traditionellen Industrielasten kann der Bedarf beim Training großer KI-Modelle innerhalb von Sekunden um hunderte Megawatt schwanken.“
https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/warum-europas-ki-plane-am-strom-scheitern/
Update 14
In der taz sind zwei interessante aktuelle Artikel über die Bewegung gegen Rechenzentren und „Big Tech“ in der BRD erschienen. Diese Bewegung weist auf die besondere Verantwortung der Kommunen hin, die sich oft von Versprechungen der Konzerne blenden lassen. Versteckte Kosten für die Gemeinden werden an mehreren Beispielen sichtbar gemacht.
https://taz.de/Konferenz-Cables-of-Resistance/!6169427/
https://taz.de/Widerstand-gegen-Tech-Konzerne/!6167755/
Update 15
Nach EU-Richtlinien müssen Rechenzentren alle wesentlichen Angaben etwa über Strom- und Wasserverbrauch geheimhalten! Dies zeigt eine Recherche von „Investigate Europe“. Demnach wurde die Energieeffizienz-Richtlinie von 2023 auf Druck von Microsoft und die Lobbygruppe Digital Europe, der unter anderem Google, Amazon und Meta angehören, 2024 geändert. Die eingereichten Änderungvorschläge wurden fast wortwörtlich von der EU übernommen. Dies verstößt womöglich gegen Transparenzvorschriften der EU.
Update 16
In der Monatszeitung „Graswurzelrevolution“ Nr. 509 (Mai 2026) habe ich folgenden ausführlichen Artikel veröffentlicht: „Datenautonomie stolpert über Blackstone. Großrechenzentren sind eine Gefahr für Demokratie und Klima“:
https://www.machtvonunten.de/lokales-aus-hamm.html?view=article&id=420:datenautonomie-stolpert-ueber-blackstone&catid=21