Aus: "THTR-Rundbrief", Nr. 73, Februar/März 2002

Laurenz stolzdeutsch Meyer?

CDU-Generalsekretär sorgt sich um deutsches Lied"gut"

Gerne ergreift Laurenz neuerdings die Gelegenheit, um den ach so geschundenen und benachteiligten deutschen Pop- und Rockkünstlern Mut und den Beistand seiner CDU zuzusprechen. Er will der durch Umsatzrückgänge, Gratisdownloads aus dem Internet und dem Selbstbrennen von CD´s arg gebeutelten Branche durch Exportförderung und Gesetzesänderungen zu neuen Ufern führen. Deutsches Popgesäusel und rustikaler Deutsch-Rock soll nicht nur die Hirne der hiesigen Inländer vernebeln, sondern den Rest der Welt gleich mit.

Eine große Anfrage an die Bundesregierung mit 70 Einzelfragen hatte die Partei schon eingereicht. Herr Meyer hat nicht nur die Stammtische fest im Blick, sondern bemüht sich auch verschiedene, freilich immer deutschstämmige Zielgruppen anzusprechen.

Doch Ironie beiseite! Das forsche Bekenntnis des in Hamm zur Bundestagswahl kandidierenden Atomlobbyisten und CDU-Generalsekretärs hat inzwischen kritische Sozial- und Politikwissenschaftler dazu genötigt, diesen neuen/alten Stolz auf die Nation, ihre angeblich überlegene Leitkultur und den damit verbundenen Standortnationalismus näher unter die Lupe zu nehmen.

Besonders treffsicher und analytisch genau haben dies Dietrich Heither und Gerd Wiegel als Herausgeber des Buches "Die Stolzdeutschen" getan. Die Autoren gehen davon aus, dass es gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und des besonderen deutschen Nationverständnisses ("Blut- bzw. Abstammungsrecht") keinen unproblematischen Bezug auf Begriffe wie Nation, Vaterland, Patriotismus geben kann.

Als Laurenz Meyer im Oktober 2000 verkündete "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" beinhaltete dies die Ausschlußparole, froh zu sein, nicht zu den Nicht-Deutschen gehören zu müssen.Bei dieser Aussage handelt es sich um das "ureigene ideologische Inventar deutscher Rechtsextremisten" stellen die Autoren des Buches fest. Sie zeigen detailliert auf, wie die Lagergrenzen zwischen Konservatismus und der extremen Rechten mit diesen Aussprüchen verschwinden. Die Welle gewalttätiger Angriffe auf Asylsuchende und "fremd" erscheinende Menschen in Deutschland kann als ein Ausdruck für das Zusammenwirken von "Schlips" und "Stiefel" gesehen werden: "Was von denen mit dem Schlips gedacht wird, führen jene mit dem Stiefel aus."

In einer Situation, in der weltwirtschaftliche Krisen zu immer mehr Arbeislosigkeit und zu einem Rückzug des Staates aus der sozialpolitischen Verantwortung führt, kommen sich Neoliberalismus und Rechtsradikalismus näher. Die Legitimierung des Starken, Durchsetzungsfähigen und Erfolgreichen mittels einer "Brutalphilosophie vom Lebenskampf" zerreist die Gesellschaft in lauter einzelne Überlebenskämpfer. Die nun entstehenden Sehnsüchte nach Überschaubarkeit, Geborgenheit und Sicherheit bedient wiederum der "alte" Rechtsradikalismus, ohne allerdings die Ursachen der Entgesellschafitung in Frage zu stellen.

Die Autoren stellen fest, dass in den letzten Jahren alle an Solidarität, Teilhabe und sozialem Ausgleich orientierten Vorstellungen in der Politik weit in den Hintergrund gedrückt wurden."Die Thematisierung von Reichtum und Armut, von Verteilung, Gewinnen und Vermögen im Land ist ein weiterer Schritt, die realen Gegensätze zu verdeutlichen und der nationalistischen Standortideologie etwas entgegenzusetzen."

Der vorliegende, thematisch facettenreiche Band ist wirklich jedem zu empfehlen, der gegenüber einem im Wahlkampf umherziehenden Laurenz Meyer mit Geschichtsbewußtsein und Fakten argumentieren will!

Heither/Wiegel (Hg): "Die Stolzdeutschen", PapyRossa Verlag, Köln, 200 Seiten, 13 Euro

Nachbemerkung:

Dies ist der bisher nicht im Netz verfügbare Teil 14 von insgesamt 21 Laurenz-Folgen im THTR-Rundbrief, in der ich mich mit dem politischen Wirken des in Hamm lebenden Atomfreundes Laurenz Meyer befasse. Hier ein weiteres kleines Beispiel in Folge 19 (jedesmal ganz unten im Text plaziert ...):

http://www.reaktorpleite.de/nr.-103-dezember-05.html

Wer sich intensiver mit Laurenz Meyer auseinandersetzen will, der kann folgenden ausführlichen Artikel von mir aus dem Jahr 2000 in der "Graswurzelrevolution" lesen: "CDU: Leithammel Laurenz":

http://www.machtvonunten.de/lokales-hamm/91-cdu-leithammel-laurenz.html

Und hier ist ein Leserbrief von mir zu Laurenz Meyer in "Westfälischer Anzeiger" vom 4. 9. 2001 nachzulesen: "Rechter Scharfmacher Laurenz Meyer":

http://www.machtvonunten.de/leserbriefe-von-horst-blume/224-rechter-scharfmacher-laurenz-meyer.html

 

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