Medien

Anti atom aktuell, Nr. 100, April 1999

Dreizehn Jahre THTR-Rundbrief Vom Pressespiegel zum lokalen "Oppositionsblatt"

Als 1987 die erste Ausgabe vom THTR-Rundbrief erschien, gehörten unsere aufsehenerregenden Aktionen gegen den Betrieb des Thorium Hochtemperatur Reaktors weitgehend der Vergangenheit an. Dennoch sollte es noch zwei Jahre bis zum endgültigen Stillegungsbeschluß dauern.

THTR-Rundbrief Nr. 51/52Bis 1995 wurden auf 32 bis 100 Seiten regionale und überregionale Zeitschriftenartikel zum THTR dokumentiert. Hinzu kamen der Abdruck von Flugblättern, Schriftwechsel mit Behörden und gelegentliche Einschätzungen und Kommentare zu verschiedenen Ereignissen. Da die THTR-Kugeln nach Ahaus kamen, fühlten wir uns natürlich verpflichtet, die dortige Entwicklung ausführlich darzustellen. Die VEW als zuständiges Energieversorgungsunternehmen wurde ebenfalls kritisch beleuchtet.

Während der ersten Jahre waren etliche BI-Mitglieder an der Sammlung und Zusammenstellung der Artikel für den THTR-RB beteiligt, seit 1993 mache ich die Arbeit - manchmal in Absprache mit ein oder zwei Anderen - alleine. Für eine einzelne Ausgabe berechneten wir damals fünf DM bei den Abonnennten. Der Druck der bis zu 100 Seiten dicken 52 ersten Ausgaben hat jeweils mehrere Hundert Mark gekostet, sodaß 1995 die stark geschrumpfte BI keine Druckkostenzuschüsse in der bisherigen Höhe mehr leisten konnte.

Zum Anderen gab es aufgrund der Stillegung und des rapide abnehmenden Medieninteresses nicht mehr so viel zu dokumentieren. Die meisten Abonnenten, insbesondere Grüne Kreisverbände, aber auch zahlreiche Einzelpersonen bestellten ab. Es war schon enttäuschend zu sehen, wie auch bei vielen Umweltschützern das Interesse am THTR spätestens dann schlagartig abnahm, sobald als äußeres sichtbares Kennzeichen der Kühlturm gesprengt wurde.

THTR-Rundbrief Nr. 251995 schien also der THTR-Rundbrief am Ende zu sein. Für mich war es aber wichtig, ein Mindestmaß an Information und Kommunikation für alle Interessierten aufrecht zu erhalten. Deswegen wurde der THTR-RB mit vier bis sechs Seiten und zusammenfassenden Artikeln und Kommentaren weiter herausgegeben. Durch die Infopost können wir im Raum Hamm 80 Exemplare für jeweils 47 Pfennig verschicken, die überregionalen Bezieher fallen nach den Abbestellungen weniger ins Gewicht. Wir beliefern seit einigen Jahren zunehmend Interessenten aus den eher traditionelleren Umweltverbänden (NABU, BUND). Einige Dutzend Exemplare liegen jeweils bei der VHS, Stadtbücherei und wenigen anderen Stellen aus.

Hinzu kommt, daß zu besonderen Anlässen schon mal 500 bis 600 Exemplare gedruckt wurden. Zum Beispiel als die konservative Lokalpresse nichts zu unseren Bedenken zum "Erhaltungsbetrieb" für die nächsten 30 Jahren schrieb oder aber eine Landesdelegiertenkonferenz der Grünen in Hamm stattfand. Die Meldungen im THTR-Rundbrief zum namensgebenden Reaktor werden auch hier immer weniger - es sei denn, es passiert ein Störfall oder wir erfahren von fragwürdigen Vorgängen bei seinem Stillegungsbetrieb.

Das inhaltliche Spektrum hat sich inzwischen erweitert. Über den Siemensboykott berichten wir genauso wie über die Kriminalisierung von kritischen Menschen unter Rotgrün in NRW. Außerdem werden regelmäßig Anmerkungen über die neuesten Zumutungen der Lokalzeitung "Westfälischer Anzeiger" abgedruckt. Im THTR-Rundbrief erfuhr mensch ebenfalls, daß in den 70er Jahren bei der Druckerei dieses Blattes auch die "Nationalzeitung" der DVU hergestellt wurde und es eine Anzeigenkooperation zwischen beiden Blättern gab.

THTR-Rundbrief Nr. 40/41Mit der Verringerung des Seitenumfangs auf vier bis sechs Seiten und der Reduzierung der Erscheinungsweise von (fast) monatlich auf ca. dreimal jährlich änderte sich auch die Hauptaufgabe des Blättchens. Ziel war nicht mehr eine möglichst lückenlose Dokumentation aller Berichte zum THTR, sondern die Schaffung von Gegenöffentlichkeit und die Verbreitung von in Hamm meist unveröffentlichten Nachrichten z. B. über Ahaus und Gorleben. In diesem Zusammenhang sollte ich vielleicht darauf hinweisen, daß die Mehrheit in unserer Bürgerinitiative die Grünen durchaus nicht unkritisch sieht, sie aber trotzdem wählt und gelegentlich unterstützt. - Im Gegensatz zu mir als "Redakteur", der Letzteres schon seit vielen Jahren nicht mehr macht. Bei aller Polemik und radikaler Kritik, die in der neueren Version des THTR-Rundbriefes zu den Grünen zu finden ist, war doch ein gewisses Fingerspitzengefühl notwendig, um nicht durch allzu verbalradikale Ausfälle wohlmeinende Menschen vor den Kopf zu stoßen. Im Übrigen gestehe ich gerne zu, daß ich im Verlauf einer engagierten internen Diskussion auch von anderen Meinungen hinzugelernt und bei der inhaltlichen Gestaltung berücksichtigt habe.

Herausgegeben und finanziert wird der THTR-Rundbrief schließlich von einer heterogen zusammengesetzten überparteilichen Bürgerinitiative. Es kann hier also auf inhaltlicher Ebene keine Exklusivrechte für libertäre Positionen geben. Dennoch können sie breit und bisher unwidersprochen dargestellt werden. Aber nur deswegen, weil Andere es bisher nicht geschafft haben, eigene Beiträge zu liefern. Als BI treffen wir uns ein- bis zweimal im Monat.

THTR-Rundbrief Nr. 48Die Aktivitäten bewegen sich heute in einem recht bescheidenen Rahmen. Mal eine Veranstaltung zu Ahaus, mal eben dorthin fahren, dann wieder eine schriftliche Anfrage zum THTR formulieren, ab und zu ein paar Schülern oder Studenten Infos und Interviews für schriftliche Schularbeiten geben, die Aktion zum Tschernobyl-Jahrestag und verschiedene Vorträge oder Filmvorführungen organisieren, Leserbriefe schreiben, gegen die Durchfahrt des Castors demonstrieren - das waren die letzten Jahre unsere Hauptaktivitäten.

Aber dafür, daß Bürgerinitiativen in der Regel recht kurzlebig sind, können wir mit unseren fünf aktiven und 40 mehr oder weniger passiven Mitgliedern zumindest auf eine Kontiunität von 23 Jahren zurückblicken. Das ist natürlich immer noch wenig, wenn man bedenkt, wie lange der THTR noch strahlen und gefährlich sein wird. Eine wichtige Frage ist, wie sichergestellt werden kann, daß zumindest auch die nächsten Jahrzehnte immer noch Menschen den "Stillegungsbetrieb" des THTR kritisch begleiten. Vielleicht kann ja der THTR-Rundbrief dabei eine bescheidene Rolle spielen.

 

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