Aus: "anti atom aktuell" Nr. 185, November 2007

Uranhexafluorid-Transporte durch Hamm: Viele Defizite bei der Gefahrenabwehr

Nach dem Unfall bei Rangierarbeiten im Hammer Bahnhof stellt sich verstärkt die Frage nach der Sicherheit für die Hammer Bevölkerung. Insbesondere bei den Gefahrguttransporten mit Uranhexafluorid (UF-6) zur Urananreicherungsanlage Gronau durch Hamm. Die hochgefährlichen Waggons standen bisher fast immer genau zu demjenigen Zeitpunkt des Nachts (0.20 Uhr) unbewacht auf dem Hammer Bahnhof, als am Dienstag (6. 11. 2007) der aktuelle Unfall passierte und größere Zerstörungen anrichtete. Was wäre passiert, wenn ein entgleister Waggon gegen einen dort viele Stunden parkenden UF-6-Behälter geprallt wäre?Aktion in Hamm 2007

Nach jeweils zwei Anfragen der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm und der Grünen Ratsfraktion, mehreren Protestaktionen und Zeitungsberichten, Info-Flugblättern für Gleisanwohner und darüberhinaus der Durchführung eines Urankongresses ...

..... hat die Stadtverwaltung Hamm endlich mit einer ausführlichen Stellungnahme (0809/07) zu den Transporten von hochgefährlichem Uranhexafluorid durch Hamm reagiert.

Es ist einerseits völlig unverständlich, dass sie sich letztendlich seit Januar 2007 über 8 Monate lang damit Zeit gelassen hat, ein Bürgeranliegen wirklich ernst zu nehmen. Nachdem innerhalb der Verwaltung grünes Licht gegeben wurde zu antworten, haben nun die zuständige Fachverwaltung und die Hammer Feuerwehr dankenswerterweise eine ausführliche Stellungnahme abgegeben.Aktion in Hamm 2007

Unser Mitstreiter Gerhard Piper von dem Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) hat diese Stellungnahme kritisch analysiert und ist - kurz gefasst - zu folgenden Ergebnissen gekommen:

1. Die Hammer Feuerwehr verfügt gemäß den offiziellen Angaben der Stadtverwaltung Hamm über kein einziges Erkundungsfahrzeug, mit dem eine Kontamination mit dem hochgefährlichen Uranhexafluorid überhaupt festgestellt werden könnte.

2. Angesichts eines sehr begrenzten und teilweise veralteten Potentials (Einsatzfahrzeuge aus den Jahren 1977 und 1982) ist die Feststellung der Stadtverwaltung, das gesamte Gefahrenabwehrmanagement der Stadt Hamm sei "durchaus nach dem heutigen Stand der Technik gerüstet bzw. ausgestattet", nicht nachvollziehbar.

3. Die Feststellung der Bürgerinitiative, dass der Feuerwehrstandort Rathenaustraße 16 nur wenige Meter von dem Standort der abgestellten Waggons mit dem Uranhexafluorid liegt, konnte von der Verwaltung nicht entkräftet werden. Die Verteilung der verschiedenen Teilaufgaben zur Gefahrenabwehr auf verschiedene Standorte gilt eben nicht für die ABC-Abwehr!Aktion in Hamm 2007

4. Die Hammer Feuerwehr könnte bei einem störfallbedingten Ausfall ihres Geräts in der Rathenaustraße dem Katastrophengeschehen nur noch aus sicherer Entfernung tatenlos zusehen.

5. Bei den von der Stadtverwaltung Hamm genannten Radien von 50 bis 100 Metern für die Gefahren- und Absperrbereiche handelt es sich nach der Feuerwehrdienstvorschrift 500 lediglich um einsatztaktische Empfehlungen, die unter besonderer Berücksichtigung der Windverhältnisse angepasst und lageabhängig ausgeweitet werden müßten. Eine Schadstoffwolke mit Uranhexafluorid kann sich mehrere Kilometer weit ausbreiten!

6. Die Einsatzkräfte würden durch die Anfahrt, das Anlegen einer persönlichen Sonderausrüstung und den Aufbau der benötigten Dekontaminationszelte zu viel Zeit benötigen, um vor einem Aufplatzen eines in Brand geratenen Uranhexafluorid-Behälters fertig zu werden.

7. Die wenigen vorhandenen ABC-Fahrzeuge sollten von der Rathenaustraße verlegt werden, was kein unüberwindbares Finanzproblem darstellen sollte.

8. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Übung mit einer simulierten UF-6- Havarie ist zu begrüßen. Die interessierte Öffentlichkeit sollte dabei als Zuschauer zugelassen werden.

Durch den jetzt begonnenen Erweiterungsausbau der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau für die Brennstoffproduktion von über 30 Atomkraftwerken werden die Transporte mit Uranhexafluorid um ein Vielfaches zunehmen. Dieser Zustand ist das Gegenteil von einem Ausstieg! Letztendlich kann nur die Abschaltung aller Atomanlagen das Gefahrenpotential für die Bevölkerung verringern.Aktion in Hamm 2007

Anmerkung

Dieser Artikel wurde leicht gekürzt auch als Leserbrief in "Westfälischer Anzeiger" am 14. 11. 2007 veröffentlicht.

Die Bilder, mit denen dieser Aktikel illustriert ist, stammen von einer Aktion der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm am 1. Juni 2007. Ich berichtete im THTR-Rundbrief Nr. 114 (Juni 2007) hierüber:Aktion in Hamm 2007

"Wer hätte das gedacht! Den Uranhexafluorid-Transporten von Frankreich nach Gronau über Hamm wird eine bisher ungeahnte Aufmerksam zuteil. Nach dem ohnehin erstaunlichen Medienecho landeten wir unseren neuesten Coup: Mit etwa 12 Leuten führten wir am Nachmittag des 1. Juni eine Mahnwache vor den großen Bahnunterführungen an der Lohauserholzstaße durch.

Wegen mehrerer Baustellenampeln bildeten sich lange Staus und die AutofahrerInnen hatten viel Zeit, unsere neuen Transparente anzusehen und ein spezielles Flugblatt für Anwohner in Empfang zu nehmen. Insgesamt wurden 900 Infoblätter verteilt und die Resonanz war sehr groß. Einige Anwohner erwarteten wegen eines vorangegangenen Artikels im "Wochenblatt" (siehe unten) schon auf unser Material. Der WA berichtete zweimal, die Lippewelle mehrmals und brachte Interviews. Die 90minütige Mahnwache zeigt deutlich, dass wir schon mit wenigen Menschen beachtliche Erfolge erzielen können."

Weitere Infos: http://www.reaktorpleite.de/nr.-115-august-07.htmlAktion in Hamm 2007 (Zeitungsartikel)

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