Aus: "FugE-News" Nr. 2, 2008

Energie(Unver)standort Hamm: Rückfall in die Stein(kohle)zeit!

Mit der Grundsteinlegung für die zwei Kohlekraftwerke ist Hamm erneut in den Blickpunkt der energiepolitischen Diskussion geraten. Die beiden neuen Kohlekraftwerksblöcke der RWE in Uentrop werden nicht nur 8,9 Mio Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, sondern liegen mit einem Wirkungsgrad von 46 Prozent weit hinter modernen Gas- und Dampfkraftwerken zurück.

Kohlekraftwerkbau in Hamm 2009Diese neuen Großkraftwerke werden etwa 40 Jahre lang in Betrieb sein und behindern dafür den Ausbau der erneuerbaren Energien für diesen Zeitraum in dieser Region höchst effektiv. Klimaschutz wird damit unmöglich gemacht. Das ist von der RWE genau so gewollt, denn dieser Konzern will auf möglichst einfache Weise viel Geld verdienen und nichts mit kleineren und mittleren Betrieben im Alternativsektor teilen.

Diese Haltung hat in Hamm Tradition. Denn in Uentrop steht mit dem Thorium Hochtemperaturreaktor (THTR) ein nukleares Großkraftwerk, dass alle anderen Optionen ausser den klimaschädlichen Kohlekraftwerken seit seinem Baubeginn im Jahre 1971 unmöglich gemacht hat. Allein die Forschung an diesem neuen Reaktortyp verschlang seit 1956 nach Angaben der Atomindustrie 2,39 Milliarden Euro. (...)

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Presseerklärung und Flugblatt zum Besuch von Bundeskanzlerin Merkel in Hamm-Uentrop am Freitag, den 29. August 2008 anlässlich der Grundsteinlegung für die RWE-Kohlekraftwerke und zum Protest dagegen.

RWE-Kohle-Elefant im Klima-Porzellanladen!

Diese zukünftigen Kohlekraftwerke in Hamm-Uentrop sollen dem Klimaschutz dienen! Ein solches Märchen kann die Bundeskanzlerin nur kleinen Kindern erzählen, die für ihre Aktion mit angemalten Papier-Elefanten dabeisein dürfen, wenn Merkel ihren wirklichen Herren von der RWE bei der Grundsteinlegung zu Diensten ist.

Kohlekraftwerkbau in Hamm 2009Die beiden Kohlekraftwerksblöcke C und D werden 8,9 Mio Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Selbst wenn der elektrische Wirkungsgrad tatsächlich 46 % erreichen sollte, werden immer noch fast 40 % der erzeugten Wärme über die Kühltürme ungenutzt an die Atmosphäre abgegeben. An den Wirkungsgrad von 57 % bei modernen GuD-Kraftwerken kommen sie nicht heran.

Die Kohleblöcke D und E bleiben 30 oder 40 Jahre lang in Betrieb. Sie behindern so mittelfristig den Ausbau der erneuerbaren Energien und machen ambitionierten Klimaschutz unmöglich. Und dies ist von den Konzernherren der RWE auch genauso gewollt, denn sie wollen ihre Gewinne nicht mit klein- und mittelständischen Betrieben aus dem Alternativenergiesektor teilen. Sie wollen mit allen Mitteln Konkurrenten aus ihrem einträglichen Energiegeschäft heraushalten und nutzen ihre Monopolstellung schamlos aus.

Die Folge: Als "nur" drittgrößter Stromproduzent Europas stößt RWE mit rund 150 Millionen Tonnen pro Jahr die größte Menge an CO2 –Emissionen aus. Mindestens 15 Prozent der Treibhausgase aus der europäischen Stromerzeugung gehen auf die Rechnung von RWE. Dieser Konzern hat sich damit den zweifelhaften Titel verdient, Europas "Klimakiller Nummer 1" zu sein!

Wenn diese unzeitgemäßen Dreckschleudern wie diejenigen in Hamm-Uentrop gebaut werden, dann scheitert Deutschland mittel- und langfristig mit seinen Klimaschutzzielen.

Den gigantischen Erfolg seiner Jahresbilanzen verdankt RWE vor allem seinen Kunden. Sie bezahlen Jahr für Jahr mit überhöhten Preisen das auf Kohle- und Atomenergie konzentrierte Geschäft des Konzerns.

Die Zukunft beginnt jedoch mit E: Erneuerbare Energien, Energieeinsparung und Energieeffizienz – die drei Säulen für eine klimafreundliche Zukunft. Die Energiewende ist technologisch machbar. Ein energiesparender dezentraler Energiemarkt ohne fossile und nukleare Brennstoffe kann weltweit dazu beitragen, das Problem der Rohstoffabhängigkeit, des Atommülls und des Klimawandels zu lösen.

Kohlekraftwerkbau in Hamm 2009Anmerkung:

An dem Protest gegen die Grundsteinlegung des Kohlekraftwerkes beteiligten sich am 29. 8. 2008 lediglich drei (!) Menschen aus Hamm von der BI Umweltschutz sowie einige angereiste Teilnehmer von Greepeace Hamburg. Dieses Schlaglicht zeigt überdeutlich, mit welcher Intensivität sich die Umweltschützer in Hamm dem Widerstand gegen das geplante Kohlekraftwerk während der letzten Jahre widmeten. Immerhin berichtete der Westfälische Anzeiger über den Protest der drei Personen sehr ausführlich. Bei mehr Engagement wäre auch mehr möglich gewesen. Ein Armutszeugnis sondergleichen!

Inzwischen wissen wir, dass das zwei Milliarden-Projekt sich um 200 Millionen Euro verteuern, den beteiligten Stadtwerken hohe Verluste bescheren und keine volle Auslastung haben wird, da die Alternativenergien inzwischen deutlich aufgeholt haben (Stadtanzeiger Hamm vom 25. 11. 2012). Nach einer Greenpeacestudie sind diese Kohlekraftwerke durch die von ihnen ausgehende Feinstaubbelastung ein so hohes Gesundheitsrisiko, dass sie statistisch für den Tod von 3.100 Menschen bzw. den Verlust von 33.000 Lebensjahren verantwortlich sind (Neues Deutschland vom 4. April 2013).

 

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