Aus: "Zivilcourage – Antimilitaristische Zeitschrift", Dezember 1977, Nr. 12

DFG/VK lässt unliebsame friedenspolitische Dachorganisation WRI finanziell ausbluten!

Mit Erschrecken habe ich den Spendenaufruf der War Resisters International (WRI) vom November 1977 zur Kenntnis genommen. Im letzten Abschnitt des Aufrufs heißt es:

"Wir sind in großer Sorge; unser ehrenamtlicher Schatzmeister, Jean van Lierde, hat uns bei der letzten Vorstandssitzung davon unterrichtet, daß wir buchstäblich keinen Pfennig mehr haben, um unsere Rechnungen und die Gehälter unseres Büropersonals zu bezahlen – selbst die Versendung dieses Briefes ist für uns ein Problem."

Wir – die Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK) – sind Mitglied in der WRI und haben doch sicherlich ein großes Interesse an dem Weiterbestand der WRI. Und doch werden nur ganze 5 Pfennig des Jahresbeitrages eines DFG/VK-Mitgliedes der WRI übergeben. Der größten Mitgliedsorganisation in der WRI stünde es bestimmt nicht schlecht an, sich ein bischen mehr um das Wohl und Wehe ihrer internationalen Dachorganisation zu kümmern!

Was kann getan werden?

1. In großer Aufmachung sollte in der "Zivilcourage" (und in den Landes- und Regionalinformationsbriefen) auf die schwierige finanzielle Lage hingewiesen und zu Spenden aufgerufen werden.

2. Vom 9. bis 15. Juli 1978 findet die Dreijahreskonferenz der WRI in der Nähe von Barcelona in Spanien statt. Wenn dort die finanzielle Lage der WRI zur Sprache kommt, werden sicherlich auch die Vertreter der DFG/VK mit einem Vorschlag zur Behebung der finanziellen Schwierigkeiten aufwarten. Es ist bestimmt sehr sinnvoll, daß solche Vorschläge in der "Zivilcourage" publiziert werden, damit sie einer kritischen Würdigung durch alle Mitglieder unterzogen werden können.

3. Ein größerer Betrag aus der Bundeskasse der DFG/VK wird der WRI gutgeschrieben.

Anmerkung

Die "Zivilcourage" ist die Mitgliederzeitung der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG/VK). Die Gruppe Hamm der DFG/VK, der ich in den 70er Jahren angehörte, musste mehrere Male Druck machen, damit kritische Leserbriefe in der von FreundInnen des "Realen Sozialismus" dominierten Redaktion überhaupt abgedruckt wurden.

In den 70er Jahren arbeiteten der Bundesvorstand und die meisten Landesverbände lieber mit an den Ostblock orientierten staatlichen oder halbstaatlichen Organisationen zusammen, als mit internationalen Gruppen aus demjenigen Dachverband, dem sie selbst angehörten: der WRI. Kein Wunder, diese waren sehr oft radikal-pazifistisch oder libertär orientiert, führten hauptsächlich gewaltfreie, direkte Aktionen durch und kritisierten auch den Militarismus, die Rüstung und die Unfreiheit in den Ostblockstaaten.

 

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