Aus: "Westfälischer Anzeiger" vom 8. März 2006

"Thoben sagte genau das Falsche"

Wirtschaftsministerin will wieder THTR-Meiler in NRW bauen lassen

Ruhrnachrichten vom 7. 1. 2006Es war alles so schön eingefädelt. Hamms CDU-Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann suchte für den traditionellen Stadtempfang einen prominenten Redner, am besten natürlich mit dem gleichen Parteibuch. Da passte es doch gut, das die CDU seit fast einem Jahr in NRW Regierungspartei ist und Energieministerin Christa Thoben am 1. März noch einen Termin frei hatte. So eine schöne Rede über Innovationen, neue Entwicklungen, blühende Landschaften und Zukunftstechnologien wäre doch für Hamm genau das Richtige.

Dummerweise sagte Thoben wenige Wochen zuvor nach Ansicht vieler Umweltschützer in Hamm genau das Falsche. Sie sprach sich für längere Laufzeiten bei Atomkraftwerken und für eine verstärkte Förderung der nuklearen Wasserstoffproduktion durch Hochtemperatur-Reaktoren in NRW aus. "Genau solche Pleitereaktoren wie den hier in Hamm-Uentrop strahlend vor sich hinstörenden, will die wieder bauen? Die hat ja nicht alle Tassen im Schrank" brummelten ärgerlich ein paar dickköpfige Westfalen und beschlossen, etwas dagegen zu tun.

Westfälischer Anzeiger vom 2. 3. 2006Zufällig ergab es sich, das kurze Zeit zuvor bei ihnen ein Glückwunschschreiben zum 30. Geburtstag der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm eintraf. Absender: Der Bundesverband "Christliche Demokraten gegen Atomkraft" (CDAK) mit Sitz in Mainz. Einem Ort also, von dem besonders im Februar manch unkonventionelle und überraschende Initiative ausgeht.

Nun muss man wissen, dass unser Bürgermeister Hunsteger-Petermann in Hamm nicht nur die Häschen der Kaninchenzüchter öffentlichkeitswirksam streichelt, sondern sogar eilfertig zusammen mit Emanzipationsbewegten gegen (angeblich) schwulenfeindliche Reggaemusiker demonstriert - kurzum, er vereinnahmt einfach alles und drückt so ziemlich Jeden an sein großes Herz. Deswegen ist er ja Bürgermeister geworden. Aber weshalb sollte es nicht auch einmal anders kommen?

Flugblattausschnitt vom CDAKSchon bald traf aus Mainz die flammende Philippika der dort engagierten Christdemokraten gegen die gottlose Atomkraft in Hamm ein, wurde vervielfältigt und den über 400 Besuchern des Stadtempfangs zur Kenntnis gebracht; das Ganze garniert mit einem schönen Atommüllfass, großen Transparenten und Plakaten: "Tschernobyl schon vergessen, Frau Thoben?" und "Ein Pleitereaktor reicht!" In Radio Lippewelle waren die mahnenden Worte der kritischen Christdemokraten zu hören und im WDR in der Sendung "Lokalzeit Dortmund" die etwa 25 Demonstranten zu sehen. Die geladenen Abordnungen aus Hamms Partnerstädten Bradford (Britannien), Oranienburg und Afyon (Türkei) bekamen ebenfalls einen guten Eindruck über die Protestkultur in Hamm.

Flugblatt der BI Unweltschutz HammMinisterin Thoben hielt auf der Zufahrt zum Veranstaltungsort kurz an, um das denkwürdige Christdemokratische Flugblatt mit folgendem Titel in Empfang zu nehmen: "‘Elch‘-Test für volkswirtschaftliche Energie-Kompetenz". Für Volkswirtschaftlerin Thoben angesichts parteipolitischer und energiepolitischer Scheuklappen sicherlich eine harte Nuss. Nachhilfe in Mainz wäre hier eine echte Investition in die Zukunft.

Die demonstrierenden "Westfalen" gingen übrigens in Hamm ziemlich selbstbewusst nach der Aktion nach Hause, denn sie wissen nun, notfalls können sie immer noch so stark wie früher sein. Denn nicht umsonst wurde der Reaktor 1989 stillgelegt.

 

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