Aus: "Ährenblatt", Zeitung der Erzeuger- Verbrauchergenossenschaft Ährensache in Unna, Nr. 1, 1990

Sind Bioprodukte zu teuer?

Wer kennt das Problem nicht? Als ökologisch engagierter Verbraucher ist man durchaus bereit, etwas mehr für Naturkost auszugeben. Wenn aber ein bestimmtes Produkt im Ährensache-Laden bedeutend teurer als im konventionellen Handel ist, zögert man dann doch beim Kauf.

Bevor man mit direkten Preisvergleichen beginnt, sollte bedacht werden, daß der Preis konventioneller Ware nicht den real anfallenden Kosten entspricht. Denn dazu gehören:

+ Die Milliarden, die für die Überschußproduktion einer nur auf Quantität orientierten Landwirtschaft ausgegeben werden.

+ Die Reparatur der verursachten Umweltschäden, wenn dies noch möglich ist.

+ Die Behandlung / Heilung ernährungsbedingter Krankheiten.

ÄhrenblattDiese Kosten muß jeder Steuer- und Sozialversicherungsbeitragszahler mittragen. Landwirtschaftliche Betriebe, die auf Kosten der Umwelt rationalisieren und immer mehr Chemie benutzen, werden mit hohen Summen subventioniert. Biologisch erzeugte Lebensmittel fordern von ihren Produzenten einen weit größeren Einsatz an Zeit und Arbeitskraft. Der Ertrag bleibt oft hinter dem aus künstlich auf gepeppten Böden zurück. Die biologische Landwirtschaft erwirtschaftet also mit mehr Aufwand an Zeit und Personal weniger Produkte.

Die Grenzwerte bei Bioprodukten liegen erheblich unter den staatlich festgelegten Werten. Hinzu kommt die schonende Weiterverarbeitung der Lebensmittel. Auf längere Sicht wird sich zeigen, daß nur die biologische Wirtschaftsweise in der Lage ist, die ins Unermeßliche wachsenden Umweltprobleme zu lösen.

Die Übernahme gesamtgesellschaftlicher Interessen durch die ökologisch wirtschaftenden Landwirte muß - auch aus Gründen der Existenzsicherung der Bauern - über einen höheren Lebensmittelpreis honoriert werden.

Viele abhängig Beschäftigte haben heute die 38-Stunden-Woche erreicht, während der Biolandwirt froh ist, wenn er mit 60 Stunden hinkommt. Wer die Partnerschaft zwischen Bauern und Verbrauchern verwirklichen will, der muß dafür sorgen, daß der Lebensmittelproduzent einen gerechten Preis für seine Arbeit erhält. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Menschen, die im Naturkostladen arbeiten. Auch hier werden zusätzliche Anforderungen gestellt: Genaue Kenntnisse der Produkte, Qualität, Verarbeitungsweise, Herkunft und der Vollwertkost sind notwendig. In dem Projekt Ahrensache steckt viel ehrenamtliche Arbeit, die bisher nicht bezahlt wurde.

In diesem Zusammenhang sollten die eigenen Konsumgewohnheiten neu überdacht und hinterfragt werden. Warum schaut der Verbraucher ausgerechnet bei Bioprodukten so sehr auf den Preis? Für Autos, ihre Reparatur und Unterhaltung und technischen Komfort aller Art geben die meisten Menschen mit größter Selbstverständlichkeit viel Geld aus. Die meisten Verbraucher haben sich daran gewöhnt, für Lebensmittel Niedrigstpreise zu zahlen.

Die Ausgaben des bundesdeutschen Durchschnittshaushaltes für Nahrungsmittel sanken von 45 Prozent (1950) auf fast 20 Prozent (1980). Dies hatte zur Folge, daß die niedrigen Erzeugerpreise den Druck auf die Bauem verschärften. Wer die Lebensmittel mit Hilfe von Chemie und Rationalisierung nicht mehr billig genug anbieten konnte, der mußte weichen.

Da der biologische Landbau zur Zeit nur 0,37 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmacht, können nur relativ kleine Mengen produziert und zu den weit verstreut liegenden Bioläden geliefert werden. Folglich steigen auch hier die Kosten. Die konventionelle Massenware ist nur deshalb so billig, weil ihre Produktion Menschen und Natur ausbeutet und unabsehbare Folgeschäden nach sich zieht. Sie kommt den Einzelnen und der Gesellschaft teuer zu stehen.

Ährensache, UnnaTrotzdem können sich ökologisch bewußte Verbraucher preiswert ernähren. Ein vollwertiges Gericht ist mindestens genauso preisgünstig zu erhalten wie ein "Gutbürgerliches" mit Fleisch. Die Nahrungsmittel, die die Einkaufskasse stark belasten‚ sind Fleisch, Wurst, Limonade und Süßigkeiten. Wenn man ihren Konsum reduziert und mehr zu Vollkorngerichten, Rohkost und Gemüse übergeht, so werden die Ausgaben fürs Essen nicht zu hoch liegen. Außerdem ist vollwertige Nahrung viel konzentrierter. Von Vollkornbrot wird man beispielsweise viel schneller satt als von Weißbrot. Wer jahreszeitengerecht Gemüse und Obst einkauft und weiterverarbeitet, spart viel Geld.

Wenn in Zukunft immer mehr Verbraucher auf Bioprodukte umsteigen, werden reduzierte Transportwege und größere Warenmengen die Preise noch attraktiver machen.

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