Aus: "FUgE-News" Nr. 1, Juni 2017

KiK und Textilbündnis – wie geht es weiter?

In der letzten Ausgabe der Fuge-News berichteten wir über die gut besuchten Veranstaltungen in Lünen und Bönen mit den beiden Eltern, deren Kinder 2012 als TextilarbeiterInnen bei dem großen Brand des KiK-Zulieferers Ali Enterpreise in der pakistanischen Stadt Karachi ums Leben kamen.

Zahlreiche weitere Brände und Fabrikeinstürze in asiatischen Textilfabriken und die Ausbeutung der dort arbeitenden Menschen haben in Deutschland 2014 zur Gründung eines breiten "Textilbündnisses" unter Beteiligung von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller geführt. Ziel dieses Bündnisses ist es die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen für die Menschen entlang der komplexen Lieferkette des Bekleidungssektors nachweislich zu verbessern. Hier geht es unter anderem um konkrete Arbeits- und Sozialstandards, aber auch um Gewerkschaftsfreiheit.

Wenn Kleidung fast nichts mehr kostet, wer bezahlt dann dafür?Nach zähen Verhandlungen sind 154 Firmen - darunter auch KiK und andere Großunternehmen der Bekleidungsbranche - dort Mitglied geworden. Ein wesentlicher Nachteil dieses Textilbündnisses ist es, dass die Unternehmen hier bestenfalls nur Selbstverpflichtungen eingehen. Bis Ende März 2017 legten die Firmen freiwillige Vorschläge vor, die dann geprüft und erst ab 2018 schrittweise umgesetzt werden sollen.

Was das vom Bundesentwicklungsministerium massiv beworbene Bündnis praktisch bringt, steht allerdings in den Sternen. KritikerInnen werfen ihm vor, zur "Quasselbude" eines saftlosen Ministers zu verkommen, das die Industrie nutzt, um nicht wirklich etwas zu verändern. Diese Initiative wäre demnach lediglich ein Schutz vor schlechter Presse für die Textil-Lobby. Und tatsächlich: wohltönende Selbstverpflichtungen reichen hier nicht aus; eindeutige Gesetze sind notwendig.

Inzwischen vergehen Jahre, ohne dass sich etwas zum Besseren wendet. In Bangladesch beispielsweise wurden im Dezember 2016 bei Massenstreiks der TextilarbeiterInnen 34 mutmaßliche AnführerInnen festgenommen, 1600 ArbeiterInnen entlassen und 50 Fabriken zeitweise geschlossen.

Arbeiten wie die SklavenVon dem Gerede im "Textilbündnis" ist bei den Menschen in Südasien bisher nichts an konkreten Verbesserungen angekommen. Auch deswegen haben im Frühjahr 2015 Überlebende der Brandkatastrophe bei Ali Enterprises die Verhandlungen mit KiK um Schadenersatz abgebrochen und mit Hilfe von Medico international und der Juristenorganisation ECCHR beim Landgericht Dortmund Klage eingereicht.

Unterstützung erhalten die KlägerInnen ebenfalls durch WissenschaftlerInnen, die durch die Auswertung einer Vielzahl von Datenspuren und Handyaufnahmen den Tathergang beim Fabrikbrand rekonstruiert und mit ihren Videoanalysen, Raummodellen und Simulationen von Abläufen (Forensic Architecture) den Zeugenaussagen mehr Gewicht gibt.

Prozess in Dortmund im Herbst!

Im Herbst 2017 wird das Urteil im KiK-Prozess beim Landgericht in Dortmund erwartet. Dieser Termin bietet weitere Anknüpfungspunkte, regional aktiv zu werden und Öffentlichkeit herzustellen. Unterdessen hat die pakistanische Gewerkschaft NTUF in Karachi einen eigenen Versammlungsraum, um ihre Arbeit für die Rechte der ArbeitnehmerInnen vor Ort intensivieren zu können. Und schliesslich will sie den landlosen ArbeiterInnen eine Stimme verleihen, die auf den riesigen Baumwollfeldern im Landesinneren von der feudalen Allmacht der GroßgrundbesitzerInnen abhängen. Es gibt also dort wie hier noch viel zu tun.No more Rana Plaza!

Anmerkung

Der ausführliche Vorgänger-Artikel "Klage gegen KiK in Bönen. 'Kunde ist König' – und ArbeiterInnen bleiben Sklaven?" mit vielen Links zu weiterführenden Informationen ist hier einzusehen:

http://www.machtvonunten.de/indien-suedasien/300-klage-gegen-kik-in-boenen.html

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