Aus: "FugE-News" Nr. 2, 2010

Rückbau nuklearer Forschungsanlagen und Atommüll kosten Milliarden!

Atomkraft sei nötig, damit Energie bezahlbar bleibe, behaupten Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und seine Kabinettskollegen. Die AKW-Betreiber lancierten zeitgleich eine Kampagne über die gewaltigen finanziellen Belastungen, die der Ausbau der Erneuerbaren Energien für Stromkunden und Steuerzahler mit sich bringen würden. Dagegen sind es Atomkraftwerke, die immense Kosten, aber wenig Strom produzieren.

"Fuge-News", Nr. 2, 2010In den USA wurden bisher 37 Atomkraftwerke gebaut, die als Investitionsruinen keinen oder kaum Strom geliefert haben. In Russland sind es 18 solcher Reaktoren und die BRD plaziert sich mit insgesamt 9 Atom-Ruinen auf Rang drei der nuklearen Geldvernichter. Hierzu gehören der Schnelle Büter in Kalkar und der THTR in Hamm.

"In der überwiegenden Zahl der Fälle waren finanzielle oder technische Probleme der Grund für die vorzeitige Stilllegung bzw. den Baustop" recherchierte der WDR im September 2010: 2Viele der vorzeitig abgeschalteten oder nicht zu Ende gebauten Atomreaktoren produzieren noch heute und auf Jahre hinaus Kosten in Millionenhöhe - sei es durch den Abriss oder, wie im Fall des THTR in Hamm, durch den so genannten 'sicheren Einschluss'."
Diese Folgekosten und Altlasten sind jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack auf all das, was noch kommen wird. Während der nächsten 10 bis 20 Jahre steht der Rückbau von 12 weiteren nuklearen Forschungs(!)anlagen in der BRD bevor. Dies ist der Drucksache 17/2646 des Bundestages zu entnehmen. Es handelt sich größtenteils um in der Öffentlichkeit kaum beachtete Projekte von drei Forschungszentren:

Karlsruhe: Kompakte Natriumgekühlte Kernenergieanlage (KNR II), Wiederaufbereitungsanlage (WAK), Mehrzweck-Forschungsreaktor (MZFR), Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe (HDB), Forschungsreaktor FR-2, Heiße Zellen.

Jülich: Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor (AVR), Projekte FZJ (Merlin), DIDO (FRJ-2), Chemiezellen (CZ), Große Heiße Zellen (GHZ).

Geesthacht: MAREN/FRG 1+2

10,6 Milliarden Euro sind erst der Anfang!

Anders als bei kommerziell betriebenen Atomkraftwerken, bei dem die Betreiber den Abriss bezahlen müssen, ist bei Forschungsanlagen der Staat zuständig. Die Bundesregierung beziffert die Summe der für "Stillegung und Rückbau kerntechnischer Anlagen" notwendigen Ausgaben auf rund 10,6 Milliarden Euro allein für den Bund. Legt man die bisherigen Erfahrungen mit dererlei offiziellen Angaben zugrunde, werden die Kosten jedoch um ein Vielfaches höher liegen!

AVR Jülich

In welche schwindelerregende Dimensionen die Kosten im Laufe der Jahre klettern können, zeigt der AVR in Jülich. Es ist ein kleiner 13 MW Hochtemperaturreaktor, der bereits 1988 stillgelegt wurde. Schon nach 15jähriger Betriebsruhe beliefen sich allein die Bewachungs- und Stilllegungskosten auf mehr als 200 Millionen Euro im Jahre 2003. Zur Zeit muss das Gelände des AVR wegen radioaktiver Kontaminationen des Erdreichs aufwändig saniert und der Reaktor mit sieben Kränen und Luftkissentransportschlitten fortbewegt werden.St. Florian.  Aus: "Fuge-News", Nr. 2, 2010
Die bislang aufgelaufenen Ausgaben werden von der Bundesregierung jetzt mit 612 Millionen Euro angegeben. Im Reaktordruckbehälter selbst muss die Radioaktivität noch mehrere Jahrzehnte lang abklingen, bevor an dieser Stelle weitergearbeitet werden kann. Diese Kosten können in der bisherigen Rechnung noch gar nicht einbezogen sein und bieten noch viel Raum für bisher ungeahnte Steigerungsraten.
Die Zeche für die verantwortungslosen Experimente mit den nuklearen Forschungsreaktoren zahlt die nächsten Jahrzehnte der Bürger.

Auch das von Armut geplagte Südafrika hat rund eine Milliarde Euro an Uhde (Dortmund), RWE Nukem, SGL Carbon Wiesbaden, den BRD-TÜV und die Arbeitsgemeinschaft Kerntechnik für den kläglich gescheiterten Entwicklungsversuch eines Hochtemperaturreaktors nach Hammer Vorbild ausgegeben. Wie viele wirklich sinnvolle Projekte hätten mit diesem Geld in Südafrika realisiert werden können?

Atommüll: Superbillig von Ahaus nach Majak?

951 plutoniumhaltige Brennelemente aus einem Staat, den es nicht mehr gibt (Sowjetunion), genutzt in einem Land (DDR), das ebenfalls schon längst Geschichte ist, lagern zur Zeit in einem Bundesland, das immerhin noch real existiert: NRW. - Von Unwägbarkeiten wie Klimawandel, Kriegen und Katastrophen in den nächsten zehntausend Jahren wollen wir gar nicht reden. Um den Nuklearabfall einigermaßen sicher zu lagern, werden schon die nächsten Monate schwierig genug.Zeichnung: Fritz Brümmer, THTR-Kugelbrennelemente

Die Brennelemente aus dem DDR-Forschungsreaktor in Dresden-Rossendorf sollen in die russische Atomanlage Majak transportiert werden. Seltsamerweise wurden sie im Jahre 2005 unter heftigen Protesten zunächst in die entgegengesetzte Richtung quer durch die BRD in das 600 Kilometer westlich gelegene Ahaus verfrachtet. Da nach der geplanten neuen EU-Gesetzgebung bald Atommüll nicht mehr ins Ausland verfrachtet werden soll, ist Eile angesagt, um den Nuklearabfall noch möglichst billig loszuwerden.
Nun soll er nach Majak, 1500 Kilometer östlich von Moskau. Nach Tschernobyl ist die ehemals geschlossene Atom-Stadt das am meisten verstrahlte Gebiet der Welt. 1957 explodierte dort eine Atomanlage. Viele Menschen sterben dort an Krebserkrankungen. Und jetzt soll zusätzliches hochverstrahltes Material aus Rossendorf hinzukommen. Die russischen Umweltorganisationen protestieren energisch. Unzureichende Sicherheitsbestimmungen, eine marode, mehrere tausend Kilometer lange Eisenbahnstrecke und ein handfestes tschetschenisches Terrorismusproblem kommen hinzu.

Bundesregierung und rotgrünes NRW weisen Verantwortung von sich

Der Rohstoff für die Brennelemente ist zwar vor 50 Jahren aus der Sowjetunion gekommen. Aber die Strahlung ist durch wissenschaftliche Experimente in Rossendorf entstanden. Die BRD hat jetzt die Verantwortung für den in Sachsen produzierten Nuklearabfall zu übernehmen. Genau davor will sich die Bundesregierung aber drücken. Denn bei einer Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken wächst der Atommüllberg sowieso schon ins Unermessliche.Brssel Atom6

Bereits jetzt signalisiert heftig achselzuckend die rotgrüne NRW-Landesregierung ihr aus vergangenen Legislaturperioden altbekanntes "... viel können wir dagegen leider nicht machen". - Aber stimmt das wirklich? Vielleicht sollte die NRW-Regierungsmannschaft bei passender Gelegenheit ihren Alltagstrott unterbrechen und eine Zeitlang auf einer Bahnschiene innehalten und verstärkt darüber nachdenken, was zu tun ist. Dabei kann sie ruhig weiter heftig mit den Achseln zucken, währenddessen ein findiger Tüftler erste Versuche anstellt, wie aus der dort eingesetzten Muskelkraft Energie zu gewinnen ist.

 

Weitere ausführliche Infos sind im THTR-Rundbrief Nr. 133 aus dem Jahr 2010 einsehbar:
http://www.reaktorpleite.de/thtr-rundbriefe-2010/39-sp-590/rundbriefe-2010/383-thtr-rundbrief-nr-133-oktober-2010.html

 


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