27. Februar 2015: Protesttage bewirken in Indien viel Aufmerksamkeit - "Füllt die Gefängnisse"-Protest angekündigt

Drei Tage Fußmarsch und zwei Tage Protestkundgebung mit 5.000 TeilnehmerInnen haben nicht nur in den Medien eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit für die Landlosenbewegung Ekta Parishad bewirkt, sondern waren für die MarschiererInnen auch sehr anstrengend. Die Nächte in der Region Delhi sind empfindlich kalt und in der Großstadt selbst mussten tausende Menschen auf engstem Raum in der Nähe einer Baustelle und direkt neben einer vielbefahrenen Straße übernachten und erkälteten sich teilweise.

Trotzdem war die Stimmung gut und die vielen auf Facebook veröffentlichten Bilder zeigen, dass während des Marsches und in Delhi selbst viel getanzt und musiziert wurde. Rajagopal betonte, dass hier eine breite Protestfront zusammengefunden hat, die in Zukunft viel Druck für eine gerechte Landreform machen wird.
Bei den Verhandlungen mit der Regierung wurden von ihr mehrere Zugeständnisse in Aussicht gestellt. Unter Anderem das Recht auf ein kleines Grundstück für eine eigene Wohnung und die Wiederbelebung der von der alten Regierung zugesagten Landreformansätze von 2013. Inwiefern diesen Zusagen Taten folgen werden, sei dahingestellt.

Anna Hazare von der Antikorruptionsbewegung und Ekta Parishad betonten, dass ohne substanzielle Zugeständnisse der Regierung auf jeden Fall in allen Landesteilen Indiens in Zukunft Protestaktionen stattfinden werden. Sie kündigten für die nächsten Monate in diesem Zusammenhang an, im ganzen Land ein Jail Bharo Andolan ("Füllt die Gefängnisse"-Protest) durchzuführen. Dies würde zu einer erheblichen Zuspitzung des Widerstandes führen.

Auf dieser Facebookseite sind nicht nur stimmungsvolle Portraits von MarschteilnehmerInnen zu sehen, sondern der Text vermittelt ebenfalls ein schönes poetisches Stimmungsbild (auf Englisch):
https://www.facebook.com/akjohazirhai/media_set?set=a.10153642641788747.1073741850.579143746&type=1&pnref=story


23. Februar 2015:

Der Fußmarsch erreicht die Vororte Delhis und erstes Gespräch mit dem Innenminister

Die 5.000 Menschen haben mit ihrem Protestzug die Vororte von Delhi erreicht. Auch hier wurden sie von der örtlichen Bevölkerung mit Lebensmitteln und der Bereitstellung von Wassertanks unterstützt. In sehr vielen Fernsehkanälen und Zeitungen ist der Fußmarsch von Ekta Parishad das Thema des Tages. Die Haushaltsplanberatungen für Indien beginnen jetzt und genau zu diesem Zeitpunkt werden die MarschiererInnen vor dem Parlament eintreffen und die landesweit gesteigerte Aufmerksamkeit für sich nutzen können.

Ein erstes Gespräch zwischen der von Aneesh Thillenkerry geleiteten Delegation von Ekta Parishad und dem Innenminister Rajnath Singh hat am Montag stattgefunden. Der Minister hat eine Prüfung der Anliegen zugesagt. Anschließend haben sich verschiedene Führer der hindunationalistischen Partei BJP im Ministerium getroffen, um über die Forderungen der Landlosenbewegung zu diskutieren.

Unterdessen hat sich Anna Hazare von der Anti-Korruptionsbewegung an der Jantar Mantar (Sternwarte) im Zentrum von Delhi mit mehreren hundert seiner AnhängerInnen zu einem zweitägigen Protest versammelt und greift in seinen von den Medien vielbeachteten Reden die Modi-Regierung scharf an. Er wirft ihr vor, die Änderungen im Landreformgesetz ausschließlich zugunsten der UnternehmerInnen und Konzerne vorgenommen zu haben. Er kündigt für die nächsten 3 bis 4 Monate Proteste im ganzen Land an, wenn die kleinbauernfeindlichen Regelungen nicht verändert werden würden. In den nächsten Stunden wird es ebenfalls zum "Versöhnungstreffen" zwischen den ehemaligen Konkurrenten Hazare und Arvind Kejriwal (AAP – "Partei des kleinen Mannes") kommen, um dann gemeinsam gegen die ungerechten Landgesetze zu kämpfen.   

Ein 42minütiger Fernsehfilm über den Marsch mit einem unentwegt (!) redenden quirligen Reporter mittendrin und Interviews mit Rajagopal und anderen TeilnehmerInnnen vermittelt einen guten Eindruck von der Stimmung bei diesem Marsch:
http://khabar.ndtv.com/video/show/prime-time/prime-time-rare-pedestrians-of-democracy-357783


21. Februar 2015:

Erfolgreicher Start der ersten Etappe!

Ein langer Demonstrationszug mit über 5.000 Menschen hat sich heute von Palwal zum 10 Kilometer entfernten JCB-Point in Bewegung gesetzt. Palwal liegt im indischen Bundesstaat Haryana, der die Hauptstadt Delhi größenteils umschließt. Den meisten der 25 Millionen Menschen in Haryana sind die dubiosen Landerwerbsgeschäfte und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten in der jüngsten Vergangenheit noch frisch in Erinnerung. Auch deswegen wurde dieser Ort als Ausgangspunkt des Marsches von Ekta Parishad ausgewählt.

Die indischen Tageszeitungen berichten mit zum Teil ganzseitigen Artikeln über den Marsch, aber natürlich vor allem über die Beteiligung des Medien-Stars Anna Hazare, den Begründer der populären Massenbewegung IAC (India Against Corruption). Es ist sehr bemerkenswert, dass mit Hazare ein Vertreter einer Mittelstandsbewegung mit der Bewegung der Landlosen, Apasis und Dalits zusammenarbeitet. Rajagopal hat immer wieder betont, dass es auch das Ziel von Ekta Parishad ist, die Herzen der Menschen des bisher egoistisch agierenden Mittelstandes zu erreichen. Diese Strategie scheint jetzt in Teilen aufzugehen.

Und noch eine Besonderheit findet in den Medien starke Beachtung: Die Aam Aadmi Party (AAP), die neuerdings in Delhi bei den Wahlen mit ihrem Spitzenkandidat Arvind Kejriwal so erfolgreiche Partei des kleinen Mannes, nähert sich der Landlosenbewegung an. Dazu muss man wissen, dass diese Partei sich im Streit aus der Anti-Korruptions-Bewegung Hazares heraus gegründet und abgespalten hatte und nun nach Jahren wieder mit dem Vater der Bewegung Tuchfühlung aufnimmt. Das ist ein ähnlicher Konflikt, wie er in Deutschland zwischen der aktionsorientierten Bürgerinitiativbewegung und der sich aus ihr entstandenen parlamentarisch orientierten Grünen Partei entwickelt hatte.        

Es wird jetzt darauf ankommen, dass die Mitglieder der "Partei des kleinen Mannes" (AAP) die Parteipolitik außen vor lassen und sich als Einzelpersonen dem breiten Bündnis anschließen, damit noch mehr Menschen und Gruppierungen die Bewegung der Landlosen und Ekta Parishad unterstützen. Ein vielversprechender Anfang, so scheint mir, wurde heute gemacht.


20. Februar 2015:

Der Marsch beginnt!

Die Kampagne von Ekta Parishad für eine Landreform zugunsten der Armen und Landlosen und gegen die aktuellen Bestrebungen der Modi-Regierung, Landenteignungen zugunsten der Konzerne zu erleichtern, nimmt an Fahrt auf. Relativ kurzfristig wird Ekta Parishad vom 20. bis zum 23. Februar 2015 fünftausend Menschen zu einem 62 Kilometer langen Fußmarsch nach Delhi mobilisieren. Viele Menschen sind schon am Ausgangspunkt in Palwal eingetroffen. 200 Frauen von "Mahila Manch", der Frauenorganisation von Ekta Parishad, haben hier schon einen Tag vorher eine eigene Diskussionsveranstaltung durchgeführt.

Symbolträchtiger Ort

Palwal als erster Versammlungsort der MaschiererInnen wurde bewußt ausgewählt. Hier wurde Mahatma Gandhi am 10. April 1919 das erste Mal inhaftiert, nachdem er seine Kampagne zur Verweigerung der Zusammenarbeit mit den Engländern begonnen hatte.

Prominente UnterstützerInnen

Von den Medien besonders beachtet wurde in den letzten Tagen die Ankündigung, dass die Führungsfigur der bekannten Anti-Korruptionsbewegung, Anna Hazare, sich an Marsch und Kundgebungen beteiligen wird. Zusätzlichen Auftrieb erhält der Fußmarsch, da er in der Großregion Delhi stattfindet, in der zwei Wochen zuvor die Antikorruptionspartei AAP bei der Regionalwahl spektakulär 67 von 70 Mandaten gewonnen hatte.

Neben insgesamt 80 Organisationen beteiligen sich auch bekannte Personen aus anderen Widerstandsbewegungen an dem Marsch: Madha Patkar von "Rettet die Narmada" und Rajendra Singh, ein Wasser- und Naturschützer. Eine besondere Bedeutung kommt der in den letzten Tagen geäußerten öffentlichen Kritik von KN Govindacharya an Modis geplanten Landraub-Erleichterungen für die Konzerne zu. Govindacharya war bis zum Jahr 2000 Generalsekretär der heute regierenden hindunationalistischen BJP und kritisiert diese Partei  inzwischen.

Mittlerweile erreicht eine Welle der Hilfsbereitschaft die ankommenden Maschierer. Großzelte, Decken und zentnerweise Lebensmittel werden von großzügigen SpenderInnen zur Verfügung gestellt. Eine Online-Petition an Modi wurde ebenfalls ins Netz gestellt. Diese Form der Meinungsäußerung wird in den nächsten Tagen sicherlich nicht die Wichtigste sein, aber sie ermöglicht immerhin aus weiter Entfernung Modi ein NEIN zu seiner Politik zukommen zu lassen:     
https://www.change.org/p/shri-narendra-modi-ji-please-withdraw-the-ordinance-to-land-acquisition-act-and-fulfill-the-promises-made-to-jansatyagraha-2012-at-agra-by-government-of-india


20. bis 23. Februar 2015:

Fußmarsch nach Delhi!

Da die neue indische Regierung unter Modi die im Oktober 2012 vereinbarten Zusagen für eine gerechte Landreform bisher nicht zufriedenstellend umgesetzt hat, wird die Landlosenbewegung Ekta Parishad vom 20. bis 23. Februar 2015 einen Fußmarsch von etwa 5.000 Menschen von Palwal nach Delhi organisieren.

Dieser etwa 62 Kilometer lange Marsch wird die Regierung an die ausgehandelte 10-Punkte-Vereinbarung erinnern und auf die Einhaltung der gemachten Zusagen drängen. Die Regierung unter Modi hat im Gegenteil neuerdings die Verordnung "LARR 2013" (Landerwerb und Entschädigung) dahingehend modifiziert, dass Unternehmen und Investoren noch leichter eine Enteignung von Land bewirken können, als bisher.    

Deswegen plant Ekta Parishad relativ kurzfristig, dass sich ab dem 20. Februar 5.000 Dalits, Apasis, landlose Arbeiter und arme Bauern auf den Weg nach Delhi machen werden, um ihre Rechte einzufordern. Um diese Forderungen und den Fußmarsch zu unterstützen, ruft Ekta Parishad zusätzlich dazu auf, per Mail, Brief oder Facebook an die Modi-Regierung zu schreiben:
http://pmindia.gov.in/en/interact-with-honble-pm/

bzw.
Prime Minister´s Office, Honorable Prime Minister Narendra Modi, 152, South Block, Raisina Hill, New Delhi – 110011
bzw.
https://www.facebook.com/PMOIndia

 

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